Wow, das war ganz schön kalt und auch ein bisschen windig beim Nikolauslauf in meiner Heimatstadt Süchteln. Aber es hat sich gelohnt, immerhin ist mein lang ersehntes Wettkampfziel, 10 Kilometer in unter 40 Minuten zu laufen, heute in Erfüllung gegangen. Ich habe in den letzten Wochen konsequent darauf hin gearbeitet. Wie genau, das beschreibe ich in einem anderen Beitrag.

Heute, kurz vor 14:30 Uhr, auf der normalerweise stark befahrenden Ratsallee im Süchtelner Stadtkern, durfte ich Andreas und meine Mutter begrüßen, die sich den Start angucken wollten. Danach nahm mich mein Mentor Herbert zur Seite und gab mir wieder einmal Tipps, die ich eigentlich nicht hören möchte: „Geh es nicht zu schnell an!“ und „Spare dir die Kraft für die letzten Kilometer auf!“ Ja, Herbert. Du hast ja Recht. Aber sowohl im Training als auch im Wettkampf kann ich nicht anders, als die ersten Kilometer in überdurchschnittlichem Tempo zu pacen und dann gegen die Zeit zu arbeiten. „Ach übrigens“, ergänzte Herbert, „heute sind Kreismeisterschaften!“ Ich fiel aus allen Wolken. So kurz vorm Start noch zu erfahren, dass man heute auch noch einen Titel gewinnen kann und zu wissen, dass ich letztes Jahr mit einer viel schlechteren Zeit als der heute angepeilten das M30-Classement angeführt hatte, ließen mich ein Mittelding zwischen Motivation und Panik verspüren. Egal – nicht lange drüber nachdenken. Startschuss!

Herberts Warnungen, es ruhig angehen zu lassen, waren längst aus meinem Kopf verschwunden. Genau das wurde mir schon wenig später zum Verhängnis, denn am Ende der Ratsallee, nach ungefähr 400 Metern, führte ich auf einmal das Feld an. Eine ganz neue Situation für mich, die mit einem Durchschnittstempo von 3:19min/km auf den ersten 1000 Metern endete. Auch Roland, der an einer Kurve den Streckenposten machte und die Zeit im Blick hatte, schrie mir jetzt zu, ich soll langsamer machen. Ich drückte auf die Bremse, ließ die „wirklich“ schnellen Läufer vorbei und meine Uhr pendelte sich bei einem Lauftempo knapp unter 4:00min/km ein. Bis Kilometer 7 hatte ich ein sehr gutes Gefühl, aber danach wurde ich immer langsamer. Die zwei Kilometer danach wurden zu einem Kampf gegen mich selbst und gegen meine Uhr. „Gib alles, sonst bereust du es heute Abend!“ schrie ich mich gedanklich selbst an. Nach Kilometer 9 hieß es dann „alles oder nichts“. Die Lunge schmerzte, die Beine spürte ich nicht mehr. Meine Pulsuhr checkte ich nicht mehr – auch so was kostet immer Zeit und sorgt für Ablenkung. Nicht in dieser Phase! In der Ferne hörte ich Anna und Jürgen, wie sie mich anfeuerten. „Das ist ein gutes Zeichen“, dachte ich mir und mobilisierte noch einmal alle Kräfte. An Anna vorbei, die ich so euphorisch selten erlebt habe. Zeitnehmer Jürgen rückte in greifbare Nähe. Ich überquerte die Ziellinie. Stoppte meine Pulsuhr. Ließ mich auf den Rasen fallen. Geschafft? Blick zu Jürgen, der übers ganze Gesicht strahlte, als sei er gerade selbst gelaufen. „Super Zeit!“, grinste er mich an und umarmte mich. Jetzt sah ich endlich auch mal auf meine Uhr. Sie zeigte 39:56 Minuten. Was für ein Drama!

Am Ende blieb mir trotz stark verbesserter Zeit nur Platz 3 auf dem M30-Treppchen. Das Feld hat sich gegenüber letztem Jahr stark verbessert. Den Kreismeister-Titel muss ich mir also ein anderes Mal holen – aber will ich das überhaupt?

Nun gönne ich mir nach dem für mich obligatorischen „After-Run-Bad“ ein paar Tage Ruhe, bevor nächsten Sonntag die Vorbereitung auf den Silvesterlauf in Pfalzdorf startet. Näheres dazu schon bald an dieser Stelle.

Hier geht’s zur Analyse meines Laufs:
https://flow.polar.com/training/analysis/300532278


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