Firmenläufe

Jedes Jahr in der „Sommer-Wettkampfpause“ beginnt die Zeit der Firmenläufe. Das sind kleinere Läufe über meist ca. 5 Kilometer, bei denen der gemeinsame Start mit den Kollegen und der Spaß am Event im Vordergrund stehen. Ich möchte das ganze einmal aus der Sicht eines Läufers betrachten.

Vor drei Jahren, also 2013, flatterte zum ersten Mal eine Einladung zum B2Run in Düsseldorf auf meinen Schreibtisch. Absender war Kyocera, von denen wir in der Firma seit Jahren Drucker beziehen und die mich als Ansprechpartner in ihrer Datenbank hatten. Das Ganze klang sehr vielversprechend: gemeinsames Laufen mit Extremsportler Joey Kelly, Einlauf in die Düsseldorfer ESPRIT-Arena, 6 Kilometer Strecke, mehrere tausend Teilnehmer, kostenlose Teilnahme inklusive T-Shirt. Da zögerte ich nicht lange, sondern meldete mich an.

Durchführung und Ergebnis dieses Laufs war ernüchternd. Okay, ich hatte mal die Gelegenheit, in ein Stadion einzulaufen und mich im Innenraum aufzuhalten. Ich habe Joey Kelly persönlich getroffen und die ganze Kyocera-Truppe hat sich wirklich toll um seine Teilnehmer gekümmert. Aber: Es war ein Parkplatzlauf! Die ganze Strecke führte größtenteils über die Parkplätze der Düsseldorfer Messe. Als einigermaßen ambitionierter Läufer wollte ich natürlich ganz vorne mit dabei sein. Aber: Die vordersten Reihen waren eine Art „Premium-Plätze“, die viel Geld kosteten und für mich nicht zugänglich waren. Was passiert, wenn man die Startplätze so vergibt? Ganz klar, es sind die Menschen ganz vorne, die Geld (oder gute Beziehungen) haben, aber keine Ahnung von einer Laufveranstaltung. Diese Leute stehen – ja, ich muss es so krass formulieren – im Weg rum und versperren den wirklich guten Läufern, die direkt dahinter mit der Hufe scharren, einen guten Start ins Rennen.

Ein Jahr später wagte ich einen neuen Anlauf beim B2Run, jedoch war aufgrund von schweren Unwetterschäden eine eins-zu-eins-Wiederholung nicht denkbar, da Teile der Strecke nicht begehbar waren. Also wurde die Strecke um einen Kilometer verkürzt. Da kurz nach dem Lauf ein Konzert im Stadion stattfinden sollte, war der Rasen schon mit einer Art Trittschutz überdeckt. Ansonsten konnte ich meine Beobachtungen vom Vorjahr nur bestätigen. Immer noch kein „echter“ Wettkampf, aber wenigstens gab es ein T-Shirt. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

Zwei Monate gingen ins Land und meine Erfahrungen in Sachen „Firmenlauf“ in eine neue Runde. Ein Kollege hatte die Teilnahme am Kölner BusinessRun organisiert, so dass ich zum ersten Mal nicht als Kunde mitlief, sondern tatsächlich in einem echten Team mit echten Kollegen. Nun sollte sich doch ein wenig Begeisterung wecken lassen?! Und tatsächlich – es fühlte sich toll an, die Kollegen zu motivieren und in einem Team zu starten. Das Problem an dem Tag war: Mein Kollege hat mich in den falschen Startblock gebucht (in Köln kommt es tatsächlich auf die Fähigkeiten der Läufer an). Anstatt mich dem vordersten Block zuzuordnen, startete ich im zweiten oder dritten Block, wo sich hunderte, wenn nicht tausende Läufer befanden, die sich zutrauten, die ungefähr fünf Kilometer in 30 Minuten zu bezwingen. Da wir aufgrund der Kölner Verkehrssituation auch noch ziemlich spät dran waren, war nicht daran zu denken, sich weit vorzudrängeln. Also wollte ich beim Lauf selbst das Beste heraus holen, denn immerhin versprach ich meinen Kollegen vorher eine Zeit unter 20 Minuten. Ich machte aber die Rechnung nicht ohne die Menschen, die tatsächlich in 5er-Gruppen Hand in Hand vor mir liefen und die Strecke versperrten. Da war mein Wettkampf-Charakter stärker als der Appel meiner Kollegen, das ganze doch bitte als Spaßveranstaltung zu sehen… Die menschlichen Hindernisse kosteten mich am Ende drei Minuten und ich war um eine negative Firmenlauf-Erfahrung reicher.

2015 sollte sich die unser Firmenausflug in Köln nicht mehr wiederholen und ich wurde auch nicht mehr von Kyocera nach Düsseldorf eingeladen. Dafür kam aber eine Anfrage meines Arbeitskollegen, ob ich nicht beim Run&Fun im Firmenteam seines Schwagers mitlaufen wolle. Trotz meiner negativen Vorerfahrungen sagte ich zu, so dass man sich in Krefeld an der Trabrennbahn traf und kennen lernte. Und hier wurden mir dann die positiven Aspekte vor Augen geführt: Eine menschlich tolle Truppe, die man gern unterstützt. Wesentlich fairere und vor allem frei wählbare Einteilung der Startblöcke. Eine schöne Strecke durch den Wald. Und so weiter. Die Getränkeversorgung am Ende war zwar nicht so optimal wie bei einem „echten“ Wettkampf, aber das sind Kleinigkeiten. Mir hat zum ersten Mal ein Firmenlauf Spaß gemacht. Danach folgte direkt der Run&Fun in Mönchengladbach, der grundsätzlich ähnlich aufgebaut war, aber wegen Starkregens zu einer Wasserschlacht wurde.

Und auch in diesem Jahr war ich wieder in Krefeld und noch letzte Woche auch wieder in Gladbach mit dabei. Die beiden Läufe liegen termin-technisch äußerst günstig, denn sie bilden Anfang und Ende meiner Wettkampf-Sommerpause. Ich möchte die Läufe nicht mehr missen, zumal ich als starker Läufer wirklich das Gefühl habe, mit meinen guten Zeiten gebraucht zu werden. Und mit Patrick, Marcel, Henning und Boris (um nur Einige zu nennen) habe ich tolle Mitstreiter im Team, mit denen es jedes Mal sehr viel Spaß macht.

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Ein von Daniel (@vy99) gepostetes Foto am

Mein Fazit zum Thema Firmenläufe: Als leistungsambitionierter, wettkampferfahrener Läufer ist es durchaus eine Herausforderung, sich darauf einzulassen. Es ist in der Regel keine DLV-vermessene Strecke, die man da läuft, und die meisten Teilnehmer sind froh, die Strecke überhaupt zu schaffen. Also sollte man vor der Anmeldung darauf achten, dass man weit vorne starten kann, sonst macht es einfach überhaupt keinen Spaß. Das komplette Event ist mit voller Absicht „durchkommerzialisiert“, das merkt man auch. Aber es ist nun mal eine Business-Veranstaltung! Wenn man sich dessen bewusst ist und die Firma, für die man an den Start geht, sowieso alles bezahlt (schaut euch einfach mal spaßeshalber die Startgebühren an, dann wird euch schwindelig), kann es mit den richtigen Leuten im Team sehr viel Spaß machen und für beide Seiten etwas bringen. Ich möchte den Run&Fun in meinem Laufkalender jedenfalls nicht mehr missen.

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