BMW Berlin Marathon 2016

Meinen zweiten Marathon in diesem Jahr wollte ich wieder in Berlin laufen. Nachdem es im letzten Jahr für mich in der Hauptstadt so gut lief, bemühte ich mich schon Ende 2015 frühzeitig um einen Startplatz, was auch über die Verlosung prompt wieder funktionierte. Ob ich meine persönliche Bestzeit unterbieten konnte und welche Rolle Lisa Hahner dabei spielte, erfahrt ihr hier.

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Die Vorbereitung auf den Berlin-Marathon lief alles andere als gut. Nach dem verpatzten OSC-Lauf in Waldniel begann sie im Juli zunächst planmäßig. Im August war eigentlich vorgesehen, die Intensität mindestens zu verdoppeln. Aber dann erwischte mich eine leichte Sommergrippe, die ich ein paar Tage lang auch im Alltag spürte. Ich kam kaum noch die Treppen hoch, ohne in Schweiß auszubrechen! In der ersten Woche nahm ich einfach Aspirin Complex und setzte mit dem Training aus. Ich dachte, dass sich das schnell wieder gibt. In der zweiten Woche hatte ich zunächst keine Probleme mehr und trainierte – merkte aber schnell, dass mir auch relativ einfaches Training schon sehr schwer fiel. An zwei 30-Kilometer-Läufe, die ich für das Wochenende einplante, war überhaupt nicht zu denken. Also begab ich mich in der dritten Woche zum Arzt, der mir Antibiotika und drei Tage Bettruhe verschrieb. Erst Ende August konnte ich mein Training wieder fortsetzen. Ich hatte immer noch den ehrgeizigen Plan, bis zum Monatsende zumindest die „standardmäßigen“ 140 Trainingskilometer zu schaffen und trainierte jeden Tag. Ich hätte es bestimmt auch geschafft, aber in der letzten August-Woche war ich im Urlaub und bin dort nur ein mal gelaufen, weil ich an der Playa de Palma auch mal „alle Fünfe grade“ sein lassen wollte. In solchen Situationen merke ich, dass ich an die Grenzen des Freizeitsports stoße, weil neben dem Laufen auch private und berufliche Herausforderungen gestemmt werden wollen. Die letzten Wochen mit Erkrankung und plötzlicher Dauerbelastung waren einfach noch zu viel für meinen Körper.

Nun blieb mir also nur noch der September zum Training. Manche Läufer schwören ja darauf, bis zu zwei Wochen vor dem Marathon das Training zu reduzieren („Tapering“) – das konnte ich mir aber dieses Mal wegen des Trainingsrückstandes nicht erlauben. Insgesamt drei Läufe über 32 Kilometer standen noch auf dem Plan, davon sollte einer zumindest annähernd in Richtung „Wettkampfgeschwindigkeit“ gehen. Und es passte auch ganz gut. Der erste Lauf – noch bei warmen Temperaturen und schwülem Klima – gab mir die Sicherheit, die Distanz überhaupt noch zu packen. Im zweiten Lauf war dann ordentlich Geschwindigkeit drin und der dritte Lauf fand nur noch zum gemütlichen Auslaufen statt. Dazwischen gab es immer wieder Einheiten zwischen 16 und 25 Kilometern mit meinem Lauftreff.

Nach den gesundheitlichen Problemen machte mir in dieser Zeit das Wetter zu schaffen. Während ich krank im Bett lag, war draußen ideales, kühles Laufwetter, nun war es aber viel zu schwül und generell sehr warm – so, wie es im Sommer in Deutschland nun mal ist.

Aber trotz aller Widrigkeiten stieg ich eine Woche vor dem Wettkampf wieder wie gewohnt in die Saltindiät ein, die ich erstmals auch mit allen empfohlenen Trainingsläufen umsetzen konnte. Diese Belastung fiel mir aufgrund der fehlenden Kohlenhydrate besonders schwer. Nachdem ich am Mittwoch Abend aber dazu überging, Nudeln zu essen, fühlte ich mich zunehmend bereit für den Wettkampf.

Am Freitag traten meine Freundin Svenja und ich die Reise nach Berlin an. Das Hotel war schnell gefunden; es folgte prompt die erste Aufgabe für jeden, der in Berlin Marathon laufen will: Startunterlagen abholen. In einem ehemaligen Güterbahnhof in der Nähe des Gleisdreiecks war in diesem Jahr die Marathon-Messe angesiedelt. Dort erhielt ich in kürzester Zeit meine Startnummer, weitere Informationen und den Kleiderbeutel. Anschließend wurden bei Adidas noch zwei Laufshirts geshoppt. Am Samstag gab es dann noch typisches Touri-Programm in Kurzfassung (KaDeWe, Ritter Sport, Brandenburger Tor, Kudamm), bevor es ins Spree-Eck ging, wo wir das Heimspiel „unserer“ Borussia mit Gleichgesinnten verfolgen konnten. Die Abende vor dem Wettkampf sahen sowohl am Freitag als auch am Samstag stets so aus, dass wir uns irgendwo ein Vapiano suchten, wo ich meine Nudeln essen konnte.

Schon mal die Strecke checken mit @svenja______ #berlinmarathon

Ein von Daniel (@vy99) gepostetes Foto am

Am Wettkampftag wollte ich rechtzeitig im Startblock sein, deshalb machte ich mich schon um 7:30 Uhr auf den Weg. Svenja wollte mich später über das Rennen hinweg an verschiedenen Punkten anfeuern und mit der Bahn weiter fahren. Nun trennten sich also erst mal unsere Wege. Eine halbe Stunde dauerte die Fahrt zum Hauptbahnhof und ein paar Minuten später war ich an der großen Wiese vor dem Reichstag. Im letzen Jahr habe ich hier wertvolle Zeit verloren, als ich fast eine Dreiviertelstunde lang auf eine freie Toilette gewartet habe. Dieses Jahr sollte es viel entspannter sein: Kleiderbeutel abgeben, zum Startblock laufen und dort direkt eine freie Toilette vorfinden, wo ich mich noch mal „erleichtern“ konnte. Um 8:30 Uhr stand ich in Block E bereit. Ich lief mich warm, dann ging es Schlag auf Schlag. Start Rollstuhlfahrer. Start Handbiker. Vorstellung der Topläufer. Allein schon die Bilder auf den Displays übermittelten Emotionen pur. Neben mir stand ein Japaner, der mich fragte, aus welchem Land ich denn komme. Small Talk vor dem Start ist nicht meine beste Übung, aber ich beantwortete ihm die Frage freundlich und am Ende wünschten wir uns viel Spaß und einen tollen Lauf.

Das Lied dieser Veranstaltung war wohl „Try Everything“ von Shakira, jedenfalls lief es jetzt kurz vorm Startschuss und auch beim Zieleinlauf sowie später bei der Fernsehübertragung hörte ich es immer wieder. Mir gefällt es ganz gut; es wird wohl auf meinem iPod landen und mich von nun an beim Laufen immer wieder begleiten und an Berlin erinnern.

Und dann kam auch schon der Startschuss. Drei Minuten und achtundzwanzig Sekunden dauerte es noch, bis ich die Startlinie überqueren konnte. Vor mir lag die Siegessäule, die im Berliner Volksmund nur „Goldelse“ genannt wird. Man konnte sie entweder links oder rechts passieren. Ich entschied mich dafür, mich grundsätzlich erst einmal links zu halten, da ich mich mit Svenja an der Schweizer Botschaft verabredet hatte – und die liegt ja auf der linken Seite der Strecke. Nachdem es für endlose zweieinhalb Kilometer durch den Bezirk Tiergarten geradeaus ging, kam die erste Rechtskurve. Nun wurden die Strecke und das Stadtbild abwechslungsreicher. Die JVA Moabit wurde passiert und danach ging es auch schon auf die Schweizer Botschaft zu, wo ich Svenja am linken Straßenrand sofort bemerkte – und sie mich. Das erste Aufeinandertreffen war schon mal geglückt. Für Svenja ging es nun mit dem Zug von Berlin Hauptbahnhof zur Yorckstraße. Dort würden wir uns zwischen Kilometer 20 und 21 wiedersehen.

Auf mich wartete aber erst einmal der Ostteil der Stadt, was mir auf der wunderschönen, breiten Karl-Marx-Alle deutlich wurde. Hier, unweit des Alexanderplatzes, dominierten die Plattenbauten das Bild. Einmal um den Strausberger Platz herum ging es über die Spree Richtung Kreuzberg. Meine Pace, die ich immer im Auge behielt, bewegte sich in dieser Zeit planmäßig im 4:45er-Bereich. Wenige Kilometer später ging es auch schon in Richtung Yorckstraße, wo ich Svenja im letzten Moment am Straßenrand entdeckte. Hier hatten wir vorher nicht abgesprochen, an welcher Straßenseite wir uns sehen, so dass ich einigermaßen mittig lief.

Die nächsten Kilometer waren für mich überraschend unaufgeregt. Ich hielt meine Pace, trank an jedem Stand Wasser und auch mal einen Iso-Drink. Trotz Sonnenschein war es mir fast schon ein wenig kühl, weshalb ich die von der Feuerwehr aufgestellten Duschen mied. Irgendwo hinter Kilometer 30 gab es ein Energie-Gel, was ich gemeinsam mit Wasser zu mir nahm. Die Pace blieb bei 4:45 bis 4:50. Es lief einfach wie am Schnürchen. Schon jetzt überlegte ich mir meine Strategie für die letzten fünf bis zehn Kilometer, denn vorher machte ich alles davon abhängig, wie es mir auf den ersten 35 Kilometern ergeht. Wenn ich so weiter laufen würde, könnte ich auf jeden Fall meine bisherige persönliche Bestzeit von 3:26 Stunden locker unterbieten, aber vielleicht kann ich noch die eine oder andere Minute herausholen, ohne großes Risiko einzugehen.

Mitten in diesen Überlegungen, kurz bevor ich auf den Kurfürstendamm einbog, wurde ich von einer jungen Frau mit Flechtfrisur und blauem Staffelstab in der rechten Hand überholt. Ein Blick auf ihre Kleidung räumte letzte Zweifel aus: Es war tatsächlich Lisa Hahner, die im Sommer bei den olympischen Spielen in Rio mit ihrer Schwester einen viel diskutierten Zieleinlauf hinlegte und heute nur mit lief, weil sie in der BMW-Wintersport-Staffel einen ausgefallenen Läufer über 10 Kilometer vertrat. „Diese Gelegenheit kommt nie wieder!“ dachte ich mir und hängte mich an sie ran. Mein Glück war, dass alle Läufer um sie herum wesentlich langsamer waren, so dass auch sie ein wenig gebremst laufen musste, was meinen Möglichkeiten wiederum entgegen kam. Ich sah auf meine Uhr, sie zeigte „3:55min/km“ an. Bei schon 34 zurückgelegten Kilometern ein Wunder, dass ich dieses Tempo mithalten konnte! Aber meine Motivation war auch riesig, das jetzt einfach mal zu machen. Während Lisa sich durch die Läufer schlängelte, blieb ich konsequent an ihr dran, bis sie den Staffelstab bei Kilometer 35 übergab, aber mit ihrem Teamkollegen weiter lief. Für mich kam nun die nächste Getränkestation, die ich auch dringend brauchte, um noch mal Kraft für die letzten sieben Kilometer zu sammeln. Ich ordnete mich wieder in meine geplante Pace ein und ließ Lisa Hahner und ihren Teamkollegen (ein Bobfahrer, der schon bei den Interviews im Vorfeld angedeutet hat, dass er froh ist, wenn er die Distanz überhaupt schaffen würde) wenig später hinter mir.

Bei Kilometer 39 machte sich ein ganz leichtes Zwicken im Oberschenkel bemerkbar. Bekomme ich nun die Rechnung für meinen unvernünftigen, aber motivierenden Beinahe-Sprint? Würde mich das sogar meine neue Marathon-Bestzeit kosten? Nein! Ich hielt meine Pace, bis ich das Brandenburger Tor sah. Dann ließ ich den Endorphinen freien Lauf, es ging noch mal der 4:00er-Pace entgegen, bis ich zu Erst das Brandenburger Tor durchquerte und in wunderschönen 3:23:23 Stunden das Ziel erreichte. Svenja filmte mich kurz vor dem Ziel (rot/weißes Hemd, schwarze Hose).

Anschließend gab es die verdiente Medaille, eine noch verdientere Currywurst und der letzte Abend in Berlin konnte in aller Ruhe ausklingen.

Mein Berlin-Marathon bei Polar Flow:
https://flow.polar.com/training/analysis/861470491

Webseite des Veranstalters:
http://www.bmw-berlin-marathon.com/

Mein Ergebnis:
Hier

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