Kölnmarathon (HM) 2016

Eine Woche nach dem Marathon in der Hauptstadt stand direkt der Halbmarathon in der Domstadt an. Meine Zielzeit war bewusst ambitioniert gewählt.

Das Szenario hat sich im letzten Jahr bestens bewährt: Mit einer Marathondistanz in den Knochen und ohne weitere Trainingseinheiten wurde das Auslaufen in Form eines Halbmarathons in Köln zelebriert. Damals erreichte ich das Ziel in für mich sensationellen 1:27:10h. Und natürlich versuchte ich dieses Jahr, diese Zeit zu unterbieten.

Nachdem Svenja und ich in der letzten Woche vom Abholen der Startunterlagen in Berlin geradezu verwöhnt waren, stand die identische Disziplin nun in Köln an. Hier erreichten wir die Marathonmesse über eine stündlich verkehrende S-Bahn. Mit dem Auto anzureisen, wäre auch keine gute Idee gewesen, denn ich konnte in der näheren Umgebung keine großartig ausgeschilderten Parkplätze entdecken. Also ließen wir das Auto in Dormagen stehen und machten uns mit dem Zug auf den Weg nach Köln. Auf der Fahrt dorthin trafen wir meinen Arbeitskollegen, der ebenfalls Daniel hieß und morgen seinen ersten Halbmarathon laufen wollte.

Nach einiger Fachsimpelei über GPS-Uhren erreichten wir den Hauptbahnhof, wo sich unsere Wege trennten, denn Svenja und ich wollten uns die Wartezeit auf die Eingangs erwähnte S-Bahn lieber mit Shopping vertreiben. Der eher kurzen Bahnfahrt folgte ein Fußmarsch vom Bahnhof zum Veranstaltungsgelände. Dieser gestaltete sich ziemlich schwierig, weil der schmale Bürgersteig nicht weniger überfüllt war als die Bahn vorher. Und die Straßen, auf die man hätte ausweichen können, waren gleichermaßen mit falsch parkenden und Parkplatz suchenden Autos überfüllt. Irgendwann waren wir dann – am gefühlten Ar*** der Welt – angekommen.

Die Marathonmesse haute uns nicht vom Hocker, denn genau das hatten wir eine Woche zuvor in Berlin schon deutlich größer erlebt. Immerhin ging es bei den Startnummern relativ zügig. Es gab viele Ausgabestände und genau so viele Leute, die nur die vordersten Stände bevölkerten. Nach 10 Minuten waren wir da durch. Auf dem Rückweg zum Ausgang lief uns noch Marcel Bräutigam über den Weg und am Ausgang trafen wir D3nitz, der am Sonntag in Köln seinen zweiten Marathon laufen wollte.

Bis morgen im Ziel! #koelnmarathon

Ein von Daniel (@vy99) gepostetes Foto am

Am nächsten Tag klingelte mein Wecker schon um 5:30 Uhr, damit ich genügend Zeit zum Umziehen und für die Anreise (wieder über Dormagen) hatte. Ich erreichte den Startbereich gegen 7:30 Uhr und kaufte mir noch eine Brezel zum Frühstück. Nach dem üblichen Toilettengang (ähnliches Szenario wie gestern bei der Startnummernausgabe: viele Leute stehen vor den ersten 10 Toiletten und die restlichen 20 sieht kaum jemand) zog ich mich um und gab den Kleiderbeutel bei einem der bereitstehenden UPS-Lieferwagen ab. Nun war ich bereit, um in den Startblock zu gehen. Dort stellte ich mich relativ weit vorne auf, denn ich wollte in den ersten Kilometern schnell vom Fleck kommen. Nach einigen Lobeshymnen auf sich selbst (es war der zwanzigste Kölnmarathon, also sei es ihnen verziehen), gaben die Veranstalter die Strecke mit dem Startschuss frei.

Die ersten vier Kilometer liefen wie gemalt, ich erreichte jeweils eine Pace von unter 4:00min/km. Ich brauchte keine Zeit, um mich zu sortieren oder einzugewöhnen, sondern kam extrem gut weg. Auf den nächsten Kilometern baute ich meinen kalkulierten Vorsprung zur Wunschzeit (1:27:00) auf über eine Minute aus, was mir die Polar V800 im „Race-Pace“-Modus immer sehr präzise anzeigte. Der erste kleine Einbruch mit 4:16min/km kam bei Kilometer 13, hier konnte ich mich aber noch mal fangen. Bei Kilometer 15 bis 17 erreichte ich aber ebenfalls nur noch Durchschnittszeiten von über 4:10min/km – der Vorsprung schrumpfte zusammen. Hinter Kilometer 19 war ich dann das erste Mal „hinten dran“ und musste plötzlich wieder Zeit aufholen. Ich hatte es die letzten fünf Kilometer viel zu sehr schleifen lassen! „Komm, Daniel… reiß‘ dich zusammen! Sei professionell!“ sagte ich zu mir. Und tatsächlich erreichte ich auf den letzten Kilometern wieder gute Zwischenzeiten. Dann bog ich in die Fußgängerzone ein, es waren nur noch ein paar hundert Meter. Und plötzlich merkte ich, dass ich die Strecke zu kurz kalkuliert hatte. Im letzten Jahr fiel mir schon bei meinen Wettkämpfen auf, dass ich nach den exakten Streckenlängen immer noch ein paar hundert Meter zu bewältigen hatte – das sind einerseits Messfehler vom GPS und andererseits Abweichungen von der Ideallinie. Ich hatte das extra mit einberechnet und eine Streckenlänge von 21,3 Kilometern angegeben. Die Strecke war aber – laut Uhr – am Ende 21,5 Kilometer lang! Was ich eigentlich bedacht zu haben glaubte, versetzte mir nun auf den letzten Metern den Todesstoß. Ich fluchte deutlich hörbar (bestätigte mir zumindest meine Freundin, die am Streckenrand stand), während ich in die Zielgerade einbog, gab aber noch mal alles, um das Ergebnis nicht noch schlechter werden zu lassen, als es ohnehin schon war. Am Ende standen 1:27:35 auf meiner Uhr und 1:27:32 auf der Urkunde. Mir fehlten 23 Sekunden zur Bestzeit und 33 Sekunden zu dem, was ich mir vorgenommen hatte.

Die Technik hat mir schon viele Rennen gerettet und für viel Motivation gesorgt. An diesem Tag hat sie mir aber die Bestzeit gekostet. Hätte ich mit der richtigen Differenz kalkuliert, hätte mir die Uhr korrekte Zwischenzeiten angezeigt und ich wäre nicht in Bedrängnis gekommen oder hätte es zumindest rechtzeitig gemerkt, so dass ich noch mal hätte Gas geben können. So ist es leider gekommen wie es gekommen ist. Ich habe nun keinen Halbmarathon mehr in diesem Jahr, um meine Bestzeit noch zu korrigieren.

Ich kämpfte mich durch die wie immer grandiose Verpflegungsmeile, holte meine Medaille ab und zog mich um. Anschließend gönnten Svenja und ich uns ein Schnitzel und ein paar Kölsch im Brauhaus. In mir wuchs eine Erkenntnis: Heute habe ich eine Erfahrung gemacht, für die ich irgendwann noch einmal sehr dankbar sein werde.

Das hier hat meine Freundin mir gestern geschenkt. Mein größter Fan ? Ich liebe dich, @svenja______ ?

Ein von Daniel (@vy99) gepostetes Foto am

Mein Kölnmarathon (HM) bei Polar Flow:
https://flow.polar.com/training/analysis/879069872

Webseite des Veranstalters:
https://koeln-marathon.de/

Mein Ergebnis:
Hier

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