Venloop 2017

Venlo und Bestzeiten? Das passt nicht, dachte ich bis Sonntag. Am Ende des Tages konnte ich ein nicht für möglich gehaltenes Erfolgserlebnis verbuchen.

Drei ganze Monate lagen zwischen meinem letzten Wettkampf, dem Silvesterlauf in Neuss, und dem Venloop. Diese Zeit plante ich für Halbmarathon- und Marathontraining ein, denn am Sonntag starte ich auch schon beim Marathon in Bonn. Im Januar wollte ich zunächst die Grundlagen-Einheiten durchführen, um mich wieder an längere Distanzen zu gewöhnen. Im Februar folgten vornehmlich die Einheiten mit den langen Distanzen zwischen 30 und 35 Kilometern und im März wollte ich mit schnellen Einheiten über 13 bis 15 Kilometern sowie Intervalltraining ein wenig für die Geschwindigkeit tun, was mir bei beiden Wettbewerben zu Gute kommen würde.

Das Training lief genau nach Plan, bis auf zwei nicht eingeplante Ruhepausen von jeweils einer Woche, die ich sicherheitshalber einlegte, da ich mit Grippe-Symptomen zu kämpfen hatte. Dummerweise war eine der Ruhepausen genau in der Woche vor dem Venloop, so dass ich zwischenzeitlich immer wieder überlegen musste, ob ich den Lauf in den Niederlanden überhaupt antrete. Am Ende passte es dann aber doch. Ich kalkulierte mit einer Pace von 4:09min/km, was keine Bestzeit bedeuten würde, aber immerhin die Einstellung meiner persönlichen Streckenbestzeit von 1:29:02h.

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Am Sonntag war es dann endlich so weit, der erste Wettkampftag nach drei Monaten Leere im Kalender. Der Wecker warf meine Freundin und mich um 9 Uhr aus dem Bett und wie immer, wenn es am Wettkampftag möglich ist, gab es eine Brezel mit Orangensaft zum Frühstück, direkt gefolgt von „trockenen“, aber scharf gewürzten Nudeln. Dazu mindestens einen Liter Wasser. Die Wettervorhersage war ideal, es sollten um die 15 Grad und strahlender Sonnenschein werden. Bei diesen Voraussetzungen konnte es eigentlich nur ein guter Tag mit der gewohnt bombastischen Stimmung am Streckenrand werden.

Spontan entschieden Svenja und ich, in diesem Jahr nicht zum Kasernenparkplatz zu fahren, sondern zum Stadion, da die Anreise nur halb so lang war und die Shuttlebusse auch von dort aus fuhren. Die Anreise klappte leider nicht wirklich problemlos, denn vor dem Stadion war ein riesiger Stau und anstelle des Parkplatzes erwischten wir nur einen Weg, an dem wir parken konnten. Die Busse waren auch ziemlich voll, so dass ich mich nach meiner geliebten Kaserne zurück sehnte. Wenn es diese alternative Parkmöglichkeit 2018 noch gibt, werde ich auf jeden Fall wieder zur Kaserne fahren.

Am Ende kamen wir aber noch rechtzeitig und relaxt am Julianapark an und genossen die Atmosphäre. So viele Läufer auf einmal – und meine sieben Bekannten, die ebenfalls in Venlo starteten, fand ich natürlich mehrheitlich nicht. Aufgrund des guten Wetters konnte ich mich rechtzeitig umziehen und mich auf den Wettkampf vorbereiten. Die Toilette suchte ich ebenfalls noch mal auf und profitierte von meinen Erfahrungen vom letzten Jahr, indem ich mich an der langen Warteschlange vorbei direkt zur Pissrinne begab und dort nur 2-3 wartende Läufer vor mir hatte. Die Schuhe schnürte ich auch direkt doppelt und dann ging es auch schon in den „Käfig“ zu der Startgruppe „unter 1:30h“. Die war in dem Moment noch nicht gut gefüllt, so dass ich mir einen Platz aussuchen konnte. Ich wollte unbedingt relativ weit vorne starten, damit ich in den engen Gassen nicht von langsameren Läufern blockiert werde.

So kam es, dass ich nach dem Startschuss unglaublich gut weg kam, aber auch dieses Jahr war der zweite Kilometer problematisch, weil ich immer wieder ausgebremst wurde. Allerdings beherrschte ich mich dieses Mal und versuchte keine waghalsigen Überholmanöver, die quer über die Straße gehen würden, sondern ließ es einfach rollen und sah es als energieeffizient an, mich im Windschatten der anderen Läufer zu bewegen. Nach den engen Innenstadt-Passagen lockerte sich das Feld zum ersten Mal etwas auf, so dass ich leichter überholen und mich einsortieren konnte.

Meine Polar V800 befand sich im „Race Pace“-Modus, das heißt, ich hatte die Zielzeit von 1:28:40h (= 4:09min/km) einprogrammiert und war dieser Zeit nach fünf Kilometern bereits um 15 Sekunden voraus. Da ich aber genau weiß, dass mich eine schlechte Zwischenzeit ganz schnell aus dem Tritt bringen würde, schaltete ich nun um auf meine Lieblings-Ansicht: „Durchschnitts-Pace im aktuellen Kilometer“ gepaart mit „aktuelle Pace“. So kann ich immer beobachten, ob ich schnell genug bin und ob ich diesen Kilometer positiv über die Bühne bringe. Ich wollte keinen Kilometer über 4:10min/km laufen, was erstaunlich gut klappte. Dummerweise näherte sich aber nun einer meiner beiden Feinde: der Fietspad!

Der Fietspad läutet eine äußerst unangenehme Streckenetappe beim Venloop ein. Hier gibt es kaum Zuschauer und zum krönenden Abschluss muss man sogar ein paar hundert Meter über eine Autobahnbrücke laufen – Steigung und Abgase inklusive. Dieser Abschnitt beginnt ungefähr bei Kilometer 12,5 und zieht sich bis Kilometer 14,5. Der Fietspad ist überdies noch so eng, dass man ihn bestenfalls nicht in einem größeren Pulk läuft, sondern vorher versucht, sich ein wenig abzusetzen. Das habe ich dieses Jahr – auch aufgrund meiner Startposition weit vorne – perfekt beherrscht. Die Höhenunterschiede versuchte ich professionell zu überwinden, indem ich die Pace hielt und weitere Kraftreserven mobilisierte. Am Ende ließ ich diese Etappe zum ersten Mal überhaupt mit einem guten Gefühl hinter mir.

Danach galt es, die gute Ausgangssituation weiter zu manifestieren. Ich schaute immer noch nicht auf das Gesamtergebnis, sondern nur darauf, jeden Kilometer unter 4:10min/km zu laufen. Dabei sprangen durchaus verschiedene Durchlaufzeiten heraus, manche sogar unter 4:00min/km. Es lief einfach wie am Schnürchen. Das warme Wetter war zwar eine Herausforderung, aber da es auch windstill war, kam es mir insgesamt entgegen. Natürlich wurde jede Möglichkeit der Abkühlung dankend mitgenommen. Bei Kilometer 17 drückte ich mir dann aber doch wieder die „Race Pace“-Ansicht heran und die sagte mir, dass ich meiner geplanten Zeit schon über 1:20 Minuten voraus sei. Was für eine tolle Ausgangslage! Ich schaltete wieder zurück auf die andere Ansicht und fing an zu rechnen. Kilometer 19 erreichte ich bereits bei 1:18:00h und ich dachte mir: „Hey, selbst wenn ich jetzt in 5:00min/km-Pace laufe, werde ich mein Ziel locker erreichen!“ Also sollte heute gar eine neue Halbmarathon-Bestzeit drin sein? Die Bestzeit von 1:27:10h, an der ich 2016 zwei mal schmerzlich gescheitert war? Das wäre zu schön, um wahr zu sein! Und noch wartete ja Feind Nummer 2 auf mich: Die Brücke!

Die Brücke ist wirklich mies, denn man merkt, dass man bald am Ziel ist, aber dann kommt sie eben doch noch wie aus dem Nichts mit einem Anstieg, der sich sehen lassen kann. Und hinter der Brücke ist noch lange nicht Schluss, denn da führt der Weg erst noch mal durch die komplette Venloer Innenstadt, deren Anwohner zwar komplett ausrasten und teilweise in 5er-Reihen den Streckenrand säumen, aber bei mir regelmäßig eine „Ich hab kein Bock mehr, ich will jetzt einfach nur noch ins Ziel“-Reaktion auslösen. Eine 5er-Pace war hier locker drin, doch jetzt wollte ich mehr. Ich rannte am Anschlag, bis meine Uhr die 4:00min/km anzeigte und dieser Wert teilweise in den 3er-Bereich rutschte. Ich nahm überhaupt keine Menschen mehr wahr, die aber ganz sicher da waren. Die Musik zog an mir vorbei wie ein Schnellzug – ich war wie im Rausch. Und als ich nur noch 200 Meter vor mir hatte und in der Ferne die Bruttozeit von 1:27:00 erleuchtete, gab mir das den letzten Schub, den ich brauchte, um mich über die Ziellinie zu schieben und die Hände in die Höhe zu strecken, denn da wusste ich schon: Ich habe gerade meine persönliche Bestzeit auf der Halbmarathon-Distanz um ganze 20 Sekunden verbessert. Der Wahnsinn!

1:26:50! Neue Bestzeit!!! 🏃🏃🏃 Darauf habe ich anderthalb Jahre gewartet! Im Ziel dann noch die Laufkollegen vom ASV Süchteln getroffen. Perfekter Tag bei perfektem Wetter. Und jetzt: Pommes! 🍟 #venloop #halbmarathon #halfmarathon #run #running #instarunners #polar #adidas

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Nach dem Lauf gratulierte mir erst Svenja und wenig später – völlig unerwartet – Roland vom ASV-Lauftreff, der mit seinem Sohn einen Sonntagsausflug auf dem Rad nach Venlo unternommen hatte. Zur Belohnung gab es holländische Fritten und die beruhigende Tatsache, dass ich schon im ersten Versuch des Jahres eine von vier Bestzeiten „geknackt“ habe.

Mein Venloop bei Polar Flow:
https://flow.polar.com/training/analysis/1233451058

Webseite des Veranstalters:
http://www.venloop.nl/

Mein Ergebnis:
Hier

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