Deutsche Post Marathon Bonn 2017

Nur eine Woche nach dem Venloop versuchte ich, auf doppelter Strecke eine ähnlich anständige Leistung hinzulegen. Wie ich den Spagat zwischen Regeneration und erneuter Bestleistung hinbekommen habe und ob ich das noch mal so machen würde, erfahrt ihr hier.

„Und wöchentlich grüßt das Murmeltier“, dachte ich, als mich Sonntags morgens um 5:30 Uhr der Wecker aus dem Bett warf. Schon in der letzten Woche, als der Venloop anstand, musste ich mich ja Sonntags früh aus den Federn quälen, um rechtzeitig an der Startlinie zu stehen. Heute zog es mich in die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn, wo ich einen meiner beiden Marathon-Wettkämpfe für dieses Jahr eingeplant hatte. Svenja wollte heute lieber liegen bleiben, statt dessen wollte mich mein ehemaliger Nachbar und guter Freund Pascal, der mittlerweile in Bonn wohnt, vor Ort anfeuern. Bevor ich mich auf die Reise begab, war das bewährte Nudel-Frühstück angesagt.

Bestes Frühstück, um heute den #bonnmarathon zu rocken! 🏃🏃 Auf gehts! #run #running #instarunners #marathontraining #marathon #suechteln #pasta #breakfast #sunday

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Wie ich bereits letzte Woche beschrieb, fand meine Vorbereitungsphase für Halbmarathon und Marathon zwischen Januar und März statt. Es gab lange Läufe bis 35 Kilometer, aber auch schnelle Einheiten bis 4:08min/km sowie lange Intervalle, zum Beispiel 5x 2.000m. In der Woche zwischen Venloop und Bonn-Marathon führte ich die Saltindiät durch, um mir die notwendige Kraft und Ausdauer anzufuttern. Dazu gehörten auch die beiden lockeren Trainingsläufe, bei denen ich 15 bzw. 10 Kilometer zurücklegte.

Ich stieg also ins Auto und machte mich auf die einstündige Fahrt nach Bonn. Dort angekommen, erwartete ich eigentlich eine Beschilderung zum Parkplatz oder Ähnliches. Aber entweder, ich war noch zu müde oder zu blind oder es gab tatsächlich keine. Statt dessen bog ich nach kurzer Irrfahrt durch Bonn-Auerberg einfach direkt an der Autobahnabfahrt dort ein, wo alle hin fuhren und siehe da – so einfach war das. Aber auf dem kompletten Parkplatz, der direkt unter der Autobahn lag, gab es keine einzige freie Stellfläche mehr. Ich bog auf eine Straße ab, die in ein Wohngebiet führte und hatte Glück, dass dort gerade ein Parkplatz frei wurde. Nun also zur Shuttlebus-Haltestelle, in den nächsten Bus reingequetscht und los ging die Fahrt Richtung Innenstadt. Dort angekommen gab es wieder keinerlei Beschilderung – also einfach mal der Masse folgen und meine Startnummer abholen.

Bei der Startnummern-Ausgabe war noch gähnende Leere, denn in diesen Minuten wurden bereits die Halbmarathonies auf die Strecke geschickt und die meisten Marathonläufer waren noch gar nicht vor Ort. Beim Blick auf meinen Umschlag entdeckte ich die ChampionChip-Nummer und sofort schoss es mir durch den Kopf: „Scheiße! Wo ist mein Chip?“ Der lag wohl noch zu Hause im Schrank… was nun? Ich fragte sofort nach und wurde an die Kasse verwiesen, wo ich eine neue Startnummer inklusive Leihchip für 6 Euro erhalten sollte. Den Chip und die Startnummer erhielt ich auch, aber was mir sofort auffiel: Sie war 5-stellig, wie die Halbmarathon-Startnummern. Alle anderen Marathon-Startnummern waren nur 4-stellig. Sollte es nun Probleme geben, wenn ich den Startblock betreten will? Wird mein Lauf vielleicht sogar überhaupt nicht gewertet, weil ich vermeintlich im falschen Wettkampf laufe? Ich ging noch mal zurück zur Kasse und fragte nach. Dort beruhigte man mich erst einmal und versicherte mir, dass alles in Ordnung sei. Ich müsse mir keine Sorgen machen.

Also gab ich meinen Kleiderbeutel ab und bereitete mich auf den Marathon vor. Bis zum Start war es noch eine Stunde hin; Ich war wirklich viel zu früh vor Ort. Der Startblock war für den Marathon nicht mehr unterteilt, so dass ich mich zwischen die 3:30- und 3:00-Pacemaker aufstellen konnte. Dann ertönte irgendwann endlich der Startschuss, mit dem mein Kopf schlagartig frei wurde.

Meine Taktik war klar: Ich musste jetzt 42 Aufgaben erledigen. Jede dieser Aufgaben lautete: „Laufe einen Kilometer in möglichst unter 4:40 Minuten“. Bei vier Brückenüberquerungen mit entsprechenden Höhenmetern und einem Halbmarathon in den Beinen wollte ich überhaupt kein Risiko eingehen, sondern mich immer ganz nah an diesem Schnitt bewegen. Er würde mir nicht nur eine neue persönliche Bestzeit garantieren, sondern auch das Erreichen meines Idealzieles „unter 3:20h“. Außerdem wollte ich möglichst effizient laufen, keine Kraft vergeuden.

Die ersten Kilometer liefen dementsprechend wie erwartet. Bonn ist eine wirklich schöne Stadt. Klein und idyllisch, aber trotzdem irgendwie groß und geschichtsträchtig. Und sehr, sehr sauber. Ich habe mich von Anfang an wohl gefühlt. Es waren auch viele engagierte Zuschauer auf den Beinen – nicht ganz so viele, wie in Venlo, aber für einen Marathon der eher mittleren Größenordnung einwandfrei.

Ich spulte Kilometer für Kilometer routiniert ab, nahm jede offizielle Getränkestelle mit und ließ mich treiben. Die ersten 20 Kilometer machten mir überhaupt keine Mühe, aber so ist das nun mal: Danach fängt der Marathon erst richtig an. Und so war es auch. Die Sonne kam raus, es wurde etwas wärmer und in der zweiten Runde war das Läuferfeld wesentlich verteilter, so dass ich teilweise kaum noch andere Läufer gesehen habe, abgesehen von der Schulstaffel. Hier galt es, konzentriert zu bleiben und sich nicht verrückt zu machen. In der zweiten Runde (ja, in Bonn läuft man beim Marathon zwei mal die Halbmarathon-Strecke) ließen dann leider auch langsam die Zuschauer nach, es folgten recht einsame Passagen. Bei Kilometer 29 war mein Vorsprung auf mein „Minimalziel“ 3:23 Stunden bereits bei hochgerechnet 5 Minuten angelangt, so dass ich diesen Schnitt unbedingt halten wollte, um sogar sicher unter 3:20 Stunden zu bleiben.

Aber fast auf Knopfdruck bei Kilometer 35 kam die Wende. Mein Körper wollte einen Gang zurück schalten, als wollte er sagen: „Hey, Daniel! Willst du mich verarschen? Mehr sind wir im Training doch auch nie gelaufen!“ Ich versuchte nun permanent, meinen Körper an unser Vorhaben zu erinnern, hier und heute unter 3:20 Stunden zu finishen, und gab noch mal alles. Trotzdem erreichte ich keine Kilometerzeit von 4:40min mehr, sondern musste mich mit „irgendwas unter 5“ zufrieden geben, was bei Kilometer 41 und 42 aber auch nicht mehr hin kam. Als das Ziel näher rückte, gab ich trotzdem noch mal alles. Auf den letzten 500 Metern waren dann auch die Zuschauer wieder voll da. Ich hörte sogar Pascal aus der Menge heraus und weil das Teilnehmerfeld ziemlich auseinander gerissen war, konnte ich diesen Moment für mich ganz alleine genießen. Es fühlte sich nicht nur so an, als ob alle nur mir zujubeln – es war wirklich so.

Der Endspurt Richtung Ziel war ein einziges Fest, und als sogar die Bruttozeit noch deutlich unter 3:20 Stunden über der Ziellinie aufleuchtete, war meine Mission erfüllt. Ich nahm voller Glücksgefühle, aber auch total fertig, meine zweite Medaille innerhalb von 8 Tagen entgegen – es war meine zweite neue persönliche Bestzeit für 2017 im zweiten Versuch.

Weiter ging es ins Verpflegungsdorf im Zielbereich. Ich war ja schon so Einiges aus Köln gewohnt, aber Bonn toppte das noch mal: Es gab Süßes, Salziges, sogar Gegrilltes! Und natürlich das obligatorische Erdinger Alkoholfrei. Alles im Preis inbegriffen – da kann man nun wirklich nicht meckern. Ich ließ es mir schmecken und machte mich dann auf die Suche nach Pascal, der draußen auf mich wartete.

Mit ihm zusammen begab ich mich zu ihm nach Hause, wo wir Burger auf den Grill schmissen und den Sonntag standesgemäß ausklingen ließen.

Ladies and Gentlemen, ich habe eine neue, persönliche Marathon-Bestzeit: 3:18:46! 🎉 Bonn hat so viel Spaß gemacht, das Publikum war der Hammer! Ich bin überglücklich und sitze jetzt gerade bei Pascal im Garten und genieße unseren Homemade Burger. 🍔 Habt alle noch einen schönen Sonntag ☀️ #run #running #instarunners #marathon #motivation #polar #v800 #burger #instafood #foodlover #foodblogger #adidas #süchteln #bonn #bonnmarathon

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Mein Fazit nach diesen acht Tagen und zwei mal „drüber schlafen“: Nie wieder! Es ging zwar am Ende alles traumhaft für mich aus, aber die Terminkonstellation war schon unglücklich gewählt. Im nächsten Jahr werde ich meinen Wettkampf-Kalender ein wenig ausdünnen und besser aufteilen.

Mein Bonn-Marathon bei Polar Flow:
https://flow.polar.com/training/analysis/1256314058

Webseite des Veranstalters:
https://www.deutschepost-marathonbonn.de

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