BMW Berlin Marathon 2017

Bei meiner dritten Teilnahme am Berlin-Marathon waren Routine und Gelassenheit deutliche Vorboten eines professionellen Gesamtablaufs. Immerhin hatte ich in den zwei Jahren zuvor viel gelernt, von der Wahl des Hotels und der Aktivitäten an den Tagen vor dem Lauf über die Auswahl der Toiletten bis zur Platzierung im Startblock. Alles wirkte dieses Jahr viel besser durchdacht und „eingespielt“.

Die Vorbereitung

Aber ein guter Marathon beginnt schon mit einer guten Vorbereitung und die begann bei mir Mitte Juni mit den ersten Läufen über 20 bzw. 25 Kilometer. Allerdings machten sich da bereits Probleme an meiner linken Ferse bemerkbar, so dass ich beschloss, ein paar Tage mit dem Laufen auszusetzen und einen Orthopäden zu konsultieren, der mir erst einmal meine größte Befürchtung (Fersensporn) nahm und lediglich eine Überlastung meiner Sehnen in diesem Bereich diagnostizierte. Neue Schuhe und Einlagen besserten dies deutlich und ich konnte mein Training fortsetzen. Nachdem ich bis Ende Juli auch schon mehrere Läufe über 30 Kilometer absolviert hatte, wurde ich – genau wie 2016 – erneut von einer Sommergrippe gestoppt, die mich insgesamt weitere 9 Tage außer Gefecht setzte.

Diese Rückschläge konnte ich mit weiteren Läufen über 25 bis 35 Kilometer kompensieren, so lief ich beispielsweise zum Neusser Schützenfest (und am nächsten Tag wieder zurück), fuhr mit der Bahn zum Pommes essen nach Venlo (und lief danach insgesamt 35 Kilometer nach Hause) und umrundete mein Heimatdorf Süchteln. Dazu kamen mit dem Brachter Depotlauf und dem Run&Fun in Mönchengladbach zwei Trainingsläufe mit Wettkampfcharakter. Insgesamt erreichte ich im Juni und Juli jeweils ca. 200 Trainings-Kilometer, im August wurden es knapp 300 Kilometer und im September – abzüglich des Marathons – noch einmal 160. Die Vorbereitung endete eine Woche vor dem Wettkampf mit dem Beginn der Saltindiät, innerhalb der ich auch noch mal zwei lockere Läufe absolvierte.

Vor dem Lauf

Wir reisten wie auch in den letzten Jahren bereits am Freitag nach Berlin, um mögliche Stressfaktoren zu minimieren und mich ein bisschen vom eigentlichen Wettkampf abzulenken. Weil wir letztes Jahr Probleme mit dem Umsteigen in Duisburg hatten, wählten wir dieses Jahr die Direktverbindung zwischen Viersen und Berlin mit dem IC2222. Aber das klappte nicht wirklich gut, denn erstens fuhr nur ein Ersatzzug (unsere Reservierung galt also nicht) und zweitens war in Essen ein Wagen defekt, der erst abgekoppelt werden musste. Deshalb mussten alle aussteigen und mit anderen Zügen weiter fahren.

Der (Museums-)Zug nach Berlin hat es immerhin bis Essen geschafft. Jetzt ist er defekt. Unsere Fahrt geht in einer Stunde mit dem ICE weiter. Reisen mit der Deutschen Bahn nach Berlin sind für uns immer ein Erlebnis. #travel #dbag #bahn #zug #bmwberlinmarathon

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Wir reservierten kurzfristig zwei Plätze im ICE, der eine Stunde später nach Berlin weiter fuhr und ab da lief auch alles perfekt. Am Berliner Hauptbahnhof angekommen, fuhren wir zum Gleisdreieck, wo nicht nur die Marathonmesse veranstaltet wurde, sondern idealerweise auch unser Hotel lag. Hier konnten wir innerhalb von einer Stunde die kompletten Formalitäten für das Wochenende erledigen: einchecken, Zimmer beziehen, zur Marathonmesse gehen und die Startunterlagen abholen. Die Messe wurde auch kurz überflogen – aufgrund der Nähe konnte man sie ja zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal besuchen. Aufgrund der Saltindiät mussten noch Kohlenhydrate in meinen Körper, also schnell noch mal das altbekannte Vapiano am Potsdamer Platz besucht, bevor es zum geplanten Kuppelbesuch auf dem Reichstagsgebäude ging.

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Am Samstag sahen wir uns die Messestände noch einmal genauer an und kauften auch ein bisschen was ein. Ansonsten war dieser Tag zum Ausruhen vor dem Wettkampf bestimmt.

Der Lauf

#vorfreude #bmwberlinmarathon #beatberlin42

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Um 6:30 Uhr klingelte der Wecker, eine Stunde später war die Abfahrt zum Potsdamer Platz geplant. Ich aß noch 2-3 Müsliriegel und trank neben einer Flasche Wasser noch einen O-Saft. Aufregung und Anspannung waren deutlich zu spüren, was mich ein paar Minuten länger als geplant auf der Toilette hielt. Aber am Ende passte alles, ich stieg planmäßig in die U2 und war mehr als pünktlich am Veranstaltungsgelände. Die Temperaturen waren deutlich kühler als in den letzten Jahren. Letzte Vorhersagen kündigten bereits 13 Grad und Regen für den Marathon an, was mir aber eher entgegen kam als wärmeres Wetter und Sonnenschein. Gegen 8:30 Uhr war ich bereits im Startblock E und konnte noch ein paar Runden zum Aufwärmen laufen. Wie auch im letzten Jahr war Shakiras Hit „Try Everything“ zu hören, was sehr emotional war, da der Text ziemlich genau auf einen Marathon und seine Vorbereitung passt.

Pünktlich um 9:15 Uhr folgte bei leichtem Sprühregen der erste Startschuss für die Läufer. Ich kam sehr gut aus dem Block und konnte spätestens ab der „Goldelse“, wie die Berliner Siegessäule im Volksmund genannt wird, mein geplantes Wettkampftempo von 4:26min/km erreichen und halten. Wie auch im letzten Jahr wollte mich Svenja von mehreren Punkten in Berlin aus anfeuern. Der erste Punkt war die Schweizer Botschaft vor Kilometer 7, wo ich sie sofort an der Strecke erkannte. Der Regen wurde stärker, die Kleidung durchnässter, aber als Läufer hilft einem das eher, als dass es stört. Was stört, sind die Pfützen auf den Straßen und die weggeworfenen Plastikbecher an den Getränkestationen. Da muss man höllisch aufpassen, dass man nicht auf ihnen ausrutscht. Aber es ging alles gut. Meine Blase meldete sich ab Kilometer 10 zwar regelmäßig, aber ich beschloss, anders als in den letzten Jahren, keine Pause einzulegen und einfach durchzulaufen. Hinter Kilometer 20 wartete Svenja wieder auf mich an der Yorckstraße. Auch dieses Treffen war also geglückt. Ich zeigte den Daumen nach oben, alles war gut.

Bei der Halbmarathon-Marke war es Zeit für eine erste kritische Einschätzung. Auf meiner Uhr stand exakt 1:35:00, was ziemlich genau 3:10h als Zielzeit bedeuten würde, wenn ich stabil weiter laufe. Also genau die Zeit, die ich für mich eingeplant hatte. Also lautete meine Aufgabe weiterhin: Jeden Kilometer in 4:26min oder schneller laufen. Das war es eigentlich auch schon. Aber meine Klamotten wurden durchnässter, meine Hose fing an zu rutschen und irgendwie tendierten meine Zwischenzeiten eher in Richtung 4:33min, was es nicht einfacher machte. Am Straßenrand stand ein Feuerwehrwagen und machte die Läufer noch nasser, als sie ohnehin schon waren. Was sollte das?

Der leichte Dauerregen sorgte auch dafür, dass sich zum ersten Mal in einem meiner Wettkämpfe meine Startnummer löste. Das wollte ich irgendwie verhindern, also löste ich beim Laufen die Sicherheitsnadel und befestigte die Nummer an einer anderen Stelle des Papiers wieder. Ich hätte vor diesem Lauf nicht gedacht, dass ich so was bei 4:26min/km schaffe, aber es hat perfekt funktioniert. Die Nummer hielt und alles war gut.

Ab Kilometer 30 wurden auch meine Zeiten wieder ein bisschen besser. Der Ku’damm war in Reichweite, ab hier konnte ich mich wieder über die Strecke motivieren. Ab sofort rechnete ich mir pro Kilometer im Kopf Prognosen zurecht. Die erste fiel noch denkbar schlecht aus; eine sub-3:10 würde ich so niemals erreichen. Bei Kilometer 37, ich war inzwischen weitere Kilometer deutlich unter 4:26min gelaufen, wurde es deutlich besser. Die erste Prognose unter 3:10h verschaffte mir neue Motivation. Am Gendarmenmarkt konnte man das Brandenburger Tor und das Ziel bereits „riechen“. Vorfreude machte sich breit. Ich beschloss nun, alles zu geben, sobald ich das Tor sehe. Und das machte ich auch. Feuer frei für die letzten Kräfte, ab durch das historische Wahrzeichen Berlins und die letzten paar Hundert Meter im schnellstmöglichen Sprint hinlegen. Nicht mehr auf die Uhr gucken, das verwirrt nur! Durchs Ziel laufen, Zeit stoppen – zwei mal hingucken. Stand da wirklich 3:08:57? Unter 3:10, nein, unter 3:09? Ich konnte es nicht fassen. Das war der Wahnsinn.

Gestern beim Zieleinlauf hinter dem Brandenburger Tor… 🏃 Noch mal alles gegeben auf den letzten 200 Metern, damit die Zielzeit unter 3:09h bleibt. Hat geklappt 😉💪👍 #run #running #instarunners #bmwberlinmarathon #beatberlin42 Fotos von @svenja2411

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Ich nahm dankbar die Medaille und die wärmende Plastikfolie entgegen, holte mir mein Erdinger Alkoholfrei ab und setzte mich für ein paar Minuten auf die Wiese vor den Reichstag. Zur Belohnung gab es an diesem Tag noch einen Donut und eine leckere Currywurst. Aber ich möchte fokussiert bleiben, denn bereits nächste Woche werde ich in Köln versuchen, auf diese Leistung aufzubauen und meine Halbmarathon-Bestzeit noch einmal zu verbessern.

🎵 ich sitz immer wenn ich Zeit hab, auf der Wiese vor dem Reichstag… 🎵 3:08:57 und damit der erste sub-3:10 💪🏃 Wer es noch nicht getan hat: geht bitte heute wählen, damit das Gebäude hinter mir auch in den nächsten Jahren hochkarätig besetzt ist. ❌✏️ #run #running #instarunners #bmwberlinmarathon #beatberlin42

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Immer noch unfassbar stolz auf meine heutige Leistung. Ich hatte 3:15h angepeilt und bin mit 4:26min/km los gelaufen, was am Ende 3:10h bedeutet hätte. Im letzten Drittel konnte ich mich noch mal deutlich steigern. Alle Details zum Lauf gibt es auf Strava: https://www.strava.com/activities/1199314520/shareable_images/map_based?hl=de-DE&v=1506257242 #run #running #instarunners #bmwberlinmarathon #beatberlin42

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Mein Berlin-Marahton bei Polar Flow:
https://flow.polar.com/training/analysis/1774355680

Webseite des Veranstalters:
https://www.bmw-berlin-marathon.com/

Mein Ergebnis:
Hier

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