Neuanschaffung: Vergleich zwischen Polar V800 und Garmin Forerunner 935 / fēnix 5

Nach sieben Jahren Begleitung durch Polar-Produkte wage ich 2017 erstmals den Blick über den Tellerrand und möchte herausfinden, ob ein Umstieg von Polar zu Garmin Sinn macht. Es ähnelt auch einem Versuch, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Im August, während meiner Vorbereitung auf den Berlin-Marathon, passierte es: Bei Kilometer 32 (!) wechselte ich bei meiner V800 die Ansicht zwischen Routenführung und irgendwelchen anderen Daten und zack – folgende Meldung erschien:

Das Ende der Geschichte war, dass die komplette Aufzeichnung verloren war. Ich hatte bereits vor mehr als einem Jahr schon einmal einen ganz ähnlichen Fehler und das passiert natürlich immer dann, wenn man ganz besonders auf korrekte Funktionalität angewiesen ist. Die gleiche Fehlermeldung tritt übrigens derzeit auch auf, wenn ich eine geplante Trainingseinheit starten will, die am selben Tag in der Vergangenheit geplant war. Außerdem gibt es immer mal wieder Kopplungsprobleme zwischen dem H7-Sensor und der V800 – natürlich immer dann, wenn man zum Laufen verabredet ist und eigentlich keine Zeit hat, um Fehlern auf den Grund zu gehen. Für mich war es schweren Herzens der Stein des Anstoßes, mich nach all den Jahren der Treue mit Alternativen zu beschäftigen. Eigentlich hatte ich vor, noch den Nachfolger der V800 abzuwarten und dann sachlich zu vergleichen. Das war vor einem Jahr. Aber die Fehler häufen sich. Das mag Klagen auf hohem Niveau sein und mit einer Neuanschaffung könnte ich sicher noch warten. Hier geht es um kein lebenswichtiges Produkt, sondern nur um eine Laufuhr. Die V800 leistet immer noch mehrheitlich treue Dienste.

Aber: Ich bin auch Technik-Freak, will immer auf der Höhe der Zeit sein und lasse mich gerne von fortschrittlichen Produkten begeistern. Die Zeit schien reif für etwas Neues.

Bei der Auswahl an alternativen Herstellern kam für mich nur Garmin in Frage. Wenn man sich bei einem Wettkampf die Handgelenke der Athleten ansieht, erkennt man schnell, dass mittlerweile die absolute Mehrheit den Anbieter aus den USA bevorzugt. Auch bei den Top-Athleten ist das mittlerweile der Fall, wobei da sicherlich auch Geld eine Rolle spielen wird. Nun bringt Garmin eine sehr breite Modellpalette mit, und, da ich eine Uhr kaufen will, die ich im Büroalltag unauffällig tragen kann, bin ich direkt auf die fēnix-5-Reihe und den „kleinen Bruder“ Forerunner 935 gestoßen, der software-technisch keinen Unterschied zur fēnix 5 hat. Alle Vorgängermodelle schieden aus, da ich ja etwas Aktuelles haben möchte, was noch möglichst lange mit Updates versorgt wird.

Direkte Vergleiche zwischen den Produktphilosophien von Polar und Garmin zu ziehen, fällt schwer. Bei YouTube und den bekannten Plattformen gibt es zwar sehr viele Inhalte, die sich mit den jeweiligen Produkten beschäftigen, aber kaum sinnvolle und tiefer gehende Vergleiche. Dieser Artikel soll allen, die wie ich vor der großen Entscheidung stehen, zu wechseln, als Entscheidungshilfe dienen. Er ist dabei absichtlich so neutral wie möglich aufgebaut, spiegelt aber doch meine persönliche Meinung wieder. Er ist – mit Abstrichen – auch ein Stück weit auf andere Produkte beider Hersteller übertragbar, da die Web/App-Infrastruktur beider Hersteller produktunabhängig aufgebaut ist.

Vor dem Kauf

Entscheidung, welches Modell

Bei Polar gab es damals für mich nur zwei Modelle zur Auswahl: M400 oder V800. Da ich auch eine M400 mein Eigen nenne, konnte ich zwischenzeitlich sehr gute Vergleiche ziehen. Die M400 besitzt keine Routenführung, es gibt keine „Heart Touch“-Funktion, die Akkulaufzeit ist geringer und sie ist nicht für Triathlon geeignet (für mich aber nicht relevant). Außerdem sieht sie im Alltag nicht ganz so chic aus, aber das ist Ansichtssache.

Bei Garmin ist die Auswahl ein bisschen komplexer. Die fēnix 5 ist in vier verschiedenen Varianten erhältlich: Als Forerunner 935 (identische Software, aber mit Plastikgehäuse – dafür sehr leicht), als fēnix 5, fēnix 5S (kleiner, für schmale Handgelenke) und als fēnix 5X (etwas größer und schwerer, mit Kartennavigation). Als wären das und die jeweils verschiedenen Farben nicht genug der Vielfalt, stehen einem auch noch Varianten mit Mineralglas oder Saphirglas zur Verfügung, davon abhängig ist auch, ob das Modell WLAN hat oder nicht. Der Forerunner 935 hat als einziges Modell WLAN und Mineralglas. Die fēnix 5 ist in beiden Varianten erhältlich, jedoch hat nur die Saphir-Edition auch WLAN. Die fēnix 5X gibt es ausschließlich mit WLAN und Saphirglas.

Da meine M400 schon relativ zügig die ersten Kratzer aufwies und ich dankbar war, dass meine V800 mit kratzfestem Glas ausgestattet ist, habe ich lange über Saphirglas nachgedacht. Allerdings ist der Forerunner 935 auch wesentlich flacher, so dass die Gefahr, irgendwo anzuecken, nicht ganz so groß ist. Wegen des hohen Aufpreises strich ich die Saphirglas-Editionen aber letztendlich aus meiner Auswahl. Die fēnix 5S bringt mir keinen Mehrwert und die fēnix 5X ist sehr schwer und klobig, außerdem benötige ich die Kartenfunktionen nicht.

Nun waren noch zwei Modelle im Rennen: Die etwas teurere fēnix 5 (ohne Saphirglas und damit auch ohne WLAN) und die etwas günstigere Forerunner 935 (mit WLAN und etwas besserem GPS). Nach langem Überlegen und Zögern musste am Ende eine Entscheidung her. Sie fiel auf den Forerunner 935, da sie die mehr Funktionen für weniger Geld bietet.

Testberichte

Neben vielen YouTube-Videos haben mir insbesondere die Reviews von DC Rainmaker sowie Fellrnr geholfen. DC Rainmaker bietet auf seiner Seite auch einen sehr umfangreiche Vergleichsfunktion an, mit der man bis zu drei Uhren gegenüberstellen kann: https://www.dcrainmaker.com/product-comparison-calculator

Preise und Verfügbarkeit

Der Forerunner 935 ist großflächig erhältlich. Er kostet im Garmin-Onlineshop UVP 549,99 EUR, bei Amazon aber auch schon ab 499,00 EUR (Stand November 2017). Die Polar V800 ist schon ab 299,00 EUR erhältlich, ist also gut 200 Euro günstiger.

Einrichtung

erstes Setup

Sowohl bei Garmin als auch bei Polar geht der erste Weg über den heimischen PC. Die Uhr muss über das mitgelieferte USB-Kabel (bei Garmin ist es ein Stecker, bei Polar eine Klemme) verbunden werden. Neben dem erstmaligen Ladevorgang, den man bis zum Ende durchlaufen lassen sollte, verbindet sich die Uhr über die Software (die man vorher herunterladen muss) mit dem jeweiligen Account. Bei Garmin hatte ich Probleme, was entweder an meiner Proxyserver-Konfiguration lag oder daran, dass die Garmin-Server zum Zeitpunkt meiner Einrichtung wegen Wartungsarbeiten nicht erreichbar waren. Aber am Ende funktionierte es. Bei beiden Geräten werden die letzten Updates heruntergeladen und installiert; Garmin möchte auch noch die WLAN-Anbindung der Uhr herstellen.

Konfigurationsmöglichkeiten am Gerät

Ein großer Unterschied zwischen beiden Herstellern ist die Art der Konfiguration. Polar erlaubt beinahe ausschließlich das Konfigurieren über Polar Flow (also den Webservice). Die Konfigurationsmöglichkeiten in der Smartphone-App sind stark eingeschränkt und an der Uhr selbst kann man nur die notwendigsten Dinge einstellen. Ich mag dieses Konzept, weil man auf einer Webseite viel angenehmer Dinge einstellen kann, als mit den kleinen Knöpfen an der Uhr. Genau das muss man nämlich größtenteils machen, wenn man seinen Garmin Forerunner 935 einrichtet. Man sitzt unweigerlich an der kleinen Uhr und konfiguriert sich die Finger wund. Persönliche Einstellungen (also HF-Zonen, Größe, Gewicht usw.) können auch über Garmin Connect (so heißt der Webservice von Garmin) getätigt werden, aber eben längst nicht alle. Was mich auch direkt zum nächsten Punkt führt:

Datenhaltung

Der wohl krasseste Unterschied zwischen Garmin und Polar. Bei der V800 wurde von vorneherein darauf geachtet, alle Konfigurationsparameter in Polar Flow abzulegen. Wenn die Uhr ersetzt werden muss, wird die Konfiguration einfach aus dem Account geladen und man kann sofort weiter trainieren. Das ist aus meiner Sicht optimal gelöst. Die Garmin-Uhren besitzen mehr „Eigenleben“ und ich kann mir vorstellen, dass eine Neueinrichtung ihre Zeit dauern wird. Aber es sind Tendenzen zu erkennen, dass auch Garmin den Weg gehen wird, den Polar bereits mit dem Erscheinen der V800 eingeschlagen hat.

täglicher Nutzen

Uhr-Ansicht / Ziffernblatt


Bei der V800 gibt es mehrere verschiedene Ziffernblätter, alle reißen mich nicht wirklich vom Hocker. Sie zeigen die Uhrzeit an und manchmal den Aktivitätsindex oder den eigenen Namen. Bei Garmin hat man wesentlich mehr Raum für Kreativität, allein die Einstellmöglichkeiten der Standard-„WatchFaces“ sind enorm. Es gibt auch von Benutzern erstellte Ziffernblätter zum Herunterladen, hier können alle erdenklichen Informationen angezeigt werden. Ich habe es aber lieber schlicht und bevorzuge die Standard-Einstellung.

Eine Übersicht über die zusätzlichen WatchFaces gibt es hier.

Tages-Aktivitätsanzeige

Aktivität wird bei Polar in Prozent gemessen. Als Grundlage dazu dient eine einfache Abfrage, ob sich das eigene Aktivitätslevel auf Niveau 1, 2 oder 3 befindet:

Bei Garmin gibt es so eine simple, relative Anzeige nicht. Dafür aber drei absolute Parameter, die den ganzen Tag über gemessen werden:
– Schritte
– Intensitätsminuten
– Etagen

Die Ziele dieser drei Parameter verändern sich automatisch aufgrund der jeweiligen Aktivitätsklasse, welche man in seinem Profil einstellen kann. Sie verändern sich im Laufe der Zeit, wenn das System einen besser kennen lernt.

Wenn man es so will, bietet Polar das „einfacherere“ System, Garmin ist dafür aber ein Stück weit transparenter und flexibler.

Ein deutlich spürbares Resultat des Aktivity Trackings ist die Inaktivitätserinnerung („Zeit für Bewegung!“) bei Polar. Hier hatte ich immer direkt das Gefühl, etwas „falsch gemacht“ zu haben und habe mich direkt schlecht gefühlt. Denn: Nach einer Stunde Inaktivität wird die Meldung sofort im Display angezeigt und eine Inaktivität wird auch im Webservice vermerkt. Bei Garmin gibt es etwas ganz Ähnliches, aber es ist deutlich dezenter („LOS!“) und man wird nicht einfach jede Stunde daran erinnert, sondern man bekommt erst wieder ein Feedback, wenn der Inaktivitätsstatus entfernt wurde.


Inaktivitätsanzeigen bei Polar Flow


Inaktivitätsanzeigen bei Garmin Connect

Smartphone-App (Android)

Sowohl zu Garmin Connect, als auch zu Polar Flow existieren Apps für Android und iOS. Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen kann ich nur für die jeweilige Android-App sprechen.

Beide Apps wurden in den letzten Jahren im Funktionsumfang deutlich erweitert. Bei Polar Flow ist es jedoch so, dass man dort nur die allernötigsten Funktionen besitzt (Ansehen von Aktivitäten, geplante Aktivitäten, Benutzerprofil und Traniningsansichten), während es sich bei Garmin Connect um ein nahezu vollständiges Abbild des Webservices handelt. Außerdem wird hier beim Aufruf der App direkt synchronisiert und live der aktuelle Puls von der Uhr angezeigt.

Webservice

Polar Flow wurde zur Einführung der V800 neu geschaffen und hat mittlerweile alle alten Anwendungen (Polar Personaltrainer, Polar ProTrainer) abgelöst. Die Webseite ist simpel und effektiv gehalten; wirkt sehr aufgeräumt. Allerdings stockt die Weiterentwicklung in letzter Zeit. Es gibt kaum noch neue Funktionen oder Erweiterungen.

Garmin Connect strotzt nur so vor Funkionen, was den Anwender – besonders am Anfang – ein bisschen „erschlagen“ mag. Wenn man sich aber erst einmal zurecht gefunden hat, ist der Nutzen größer; so hat man viel feinere Möglichkeiten zur Auswertung (auch wenn sie ganz gut versteckt sind) und man kann sich Bestzeiten, Segmente oder Ausrüstung anzeigen – so was gibt es sonst nur bei externen Diensten wie Strava. An der Neuentwicklung des Streckeneditors sieht man, dass die Seite durchaus noch weiterentwickelt wird. An manchen Ecken sieht man bei Garmin Connect noch den Übergang zwischen zwei Produktgenerationen: Während ein Teil der Einstellungen nahtlos zum Gerät synchronisiert wird, kann man an anderen Stellen Dinge „an Geräte senden“. Bei Polar wird grundsätzlich alles synchronisiert, was man bei Polar Flow einstellt (bis auf die Favoriten, da sind es – wohl aus Platzgründen – nur die ersten 20) und was gerätetechnisch Sinn macht.

Social-Media-Funktionen

Auch wenn Strava mein bevorzugtes „soziales Netzwerk“ zum Thema Laufen ist, hat mich immer geärgert, dass gerade diese Funktionen bei Polar Flow noch in den Kinderschuhen stecken und anscheinend auch nicht weiterentwickelt werden.. Wenn man Freunde hat, die Produkte der gleichen Marke einsetzen, macht es doch Spaß, sich mit ihnen zu vernetzen und Vorteile daraus zu ziehen. Genau das funktioniert bei Garmin Connect perfekt. Die Anzeige der jeweils absolvierten Aktivitäten ist nur der Anfang. Der neuste Schrei lautet: Group Track! Man kann sich während der Aktivität gegenseitig tracken und sieht damit auf dem Display seiner Uhr, wo der Freund sich (z.B. im Wettkampf) gerade befindet. Von solchen Funktionen scheint Polar derzeit meilenweit entfernt.

Smart Notifications

Die Smart Notifications bei der V800 waren nicht von Anfang an verfügbar (zumindest nicht für Android-Smartphones). Umso toller war es, als es – irgendwann 2015 – dann nach einem Software-Update plötzlich möglich war, auf dem Display seiner Uhr abzulesen, wer gerade bei WhatsApp schreibt oder mir eine Mail schickt. Ein feines Feature, welches zugegebenermaßen überhaupt nichts mit Laufen zu tun hat, aber heute wohl zu den „must haves“ von Uhren zählt, die eine Verbindung zum Smartphone aufbauen können. Garmin beherrscht das natürlich auch, und zwar – anders als bei Polar – auch während des Trainings. Das kann man aber auch abschalten (gut für diejenigen, die beim Laufen auch mal abschalten wollen).

Bei der Ablesbarkeit von Smart Notifications sehe ich bei beiden Lagern Luft nach oben. Bei Polar wird sehr viel Platz auf dem Display dafür verschwendet, teilweise unnötige Optionen anzuzeigen, die die jeweilige Notification mit sich bringt (z.B. „Antworten“ bei Mails – brauche ich das wirklich, wenn mein Smartphone in der Tasche ist?). Dadurch lässt sich nur noch ein kleiner Teil der eigentlichen Notification anzeigen. Insgesamt ist das wohl auch der geringen Auflösung des Displays geschuldet. Bei Garmin hätte man die Schrift ein wenig kleiner machen können. Einen großen Nachteil sehe ich bei WhatsApp. Hier zeigt Garmin nicht nur unnötigerweise ständig an, wenn ich WhatsApp Web geöffnet habe, sondern zeigt auch nur an, dass ich eine Nachricht habe und von wem sie ist – nicht aber den Inhalt der Nachricht. Den sehe ich erst, wenn ich mich weiter durch die Nachricht klicke. Das Navigieren durch Nachrichten ist bei Garmin wiederum sehr gut gelöst. Das ist bei Polar gar nicht vorgesehen. Und wer auf Smilies steht, sollte unbedingt zu Garmin greifen – die werden nämlich bei Polar nicht angezeigt.

Was mich bei Polar sehr stört, ist die wiederholte Anzeige von Notifications. Wenn ich fünf Mails erhalten habe, vibriert die Uhr bei der ersten ungelesenen Mail ein mal, bei der zweiten Mail zwei mal und so weiter. Bei Garmin ist das nicht so.

„Look&Feel“ im Alltag

Ich fühlte mich mit der V800 immer wie ein großer Sportler, wenn ich sie im Alltag trug. Die Uhr fiel jedem, der auch Laufsport betreibt, sofort ins Auge und man wurde angesprochen. Auch war ich immer stolz, wenn ich im TV jemanden sah, der die gleiche Uhr trägt wie ich – z.B. Hajo Schumacher, wenn er bei Markus Lanz zu Gast ist oder die Schiedsrichter in der Fußball-Bundesliga. Die V800 hat ihren ganz eigenen Style, den man mögen oder hassen kann. Was ich nicht mag, ist die Polar-typische feste Rundung, mit der die Uhr den Arm umschließt. Man kann die Polar-Modelle deshalb durchweg nicht flach auf den Tisch legen.

Bei Garmin hat mich immer das runde Display gestört, welches sich durch alle Produktlinien zieht. Irgendwie wollte das in meinem Kopf nie zu einer Sportuhr passen. Vor allem bei den kostengünstigeren Modellen war der Rand um das Display herum sehr groß und irgendwelche Symbole darauf abgebildet – das mochte ich nicht. Erst mit der fēnix 5 kam das erste „Rund-Design“, was mir gefallen wollte. Die Uhren fallen im Alltag fast gar nicht auf, was für viele ein Vorteil ist, die die Uhr im Büro tragen wollen. Da die Garmin-Uhren auf normale Uhrbänder setzen (bei der fēnix 5 gibt es sogar QuickFit-Bänder, die sich mit einem Handgriff auswechseln lassen), passen sie sich aus meiner Sicht besser dem Handgelenk an und sind angenehmer zu tragen.

Vom Gewicht her ist der Forerunner 935 ganz weit vorne. Nur 51 Gramm wiegt er und damit gefühlt Welten weniger als die V800 (79 Gramm). Die fēnix 5 spielt mit 85 Gramm in Etwa in der V800-Klasse, bei der 5X sind es mit beinahe 100 Gramm schon deutlich mehr.

Anfälligkeit für Kratzer

Bei der V800 bin ich immer noch begeistert von der kompromisslosen Alltagstauglichkeit. 3 Jahre, nicht ein Kratzer – obwohl sie durchaus schon mal an Metall vorbeigeschrammt ist. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich von der „alten“ V800 mit den unlackierten Alu-Seitenteilen spreche. Bei der neueren Version sind die schwarz lackiert, wodurch fraglich ist, ob sie damit auch noch so viel aushält. Die M400 ist bei Weitem nicht so resistent. Bereits nach 1-2 Monaten waren die ersten Kratzer deutlich auf dem Display zu sehen.

Wie es bei dem Forerunner 935 oder den fēnix-5-Modellen ohne Saphirglas aussieht, weiß ich nach zwei Wochen Nutzung noch nicht.

Planen der Trainingseinheiten

Kalender

Sowohl Polar Flow als auch Garmin Connect bieten Kalenderfunktionen an, mit denen man seine Trainingseinheiten planen kann. Dieses Feature war mir bei meiner Entscheidungsfindung sehr wichtig, da ich keine vorgefertigten Trainingspläne habe, sondern komplett selbst plane. Das könnte ich natürlich auch mit einem Wandkalender oder einer Excel-Tabelle machen, aber wenn die Funktion in der Uhr integriert ist, bietet das einige Vorteile.

Bei Polar Flow kann man die Trainingseinheiten mit Datum und Uhrzeit einplanen und sich dabei aus den Favoriten bedienen, die man vorher definiert hat. Einmal in den Kalender eingetragen und synchronisiert, stehen sie am Trainingstag auf der Uhr zur Verfügung, d.h. man drückt auf „Start“, kann die Einheit anwählen und sieht im Laufe der Einheit auf dem Display, was getan werden muss, um die Einheit erfolgreich zu absolvieren (z.B. wie viele Kilometer man noch laufen muss). Geplante und absolvierte Einheiten lassen sich als .ics-Link in vorhandene Kalender implementieren, z.B. bei Google oder Outlook.

Bei Garmin Connect funktioniert alles ganz ähnlich, nur dass sich die Einheiten nicht mehr Uhrzeit-genau planen lassen.

Trainingspläne

Vorgefertigte Trainingspläne sind ebenfalls bei beiden Herstellern möglich. Da ich keine Trainingspläne verwende, kann ich hierzu aber auch nichts schreiben.

Während des Trainings

Ansicht vor dem Start

Bei beiden Herstellern beginnt es identisch: Man drückt auf „Start“, kann die Trainingsdisziplin auswählen oder bekommt Trainingseinheiten vorgeschlagen, wenn man diese vorher über den Kalender geplant hat. Außerdem erhält man eine Information über den GPS-Status und den Akkustand. Bei Garmin muss man dann noch mal auf „Start“ drücken und sieht schon vor dem Start die Trainingsansichten mit einem roten Kreis um das gesamte Display, der immer weiter zunimmt und schließlich Grün wird – das ist der GPS-Status. Mit einem weiteren Druck auf „Start“ beginnt das Training.


Nach dem ersten Druck auf Start kann man bei beiden Geräten erst mal die Art des Trainings auswählen. Die Polar sucht schon nach GPS und würde hier auch die Herzfrequenz anzeigen, wenn ein Sensor verbunden wäre. Mit einem weiteren Druck auf „Start“ wäre man mit der V800 schon im Training.


Bei Garmin drückt man erneut auf „Start“ und sieht erst einmal seine Trainingsansicht. Jetzt wird auch nach GPS gesucht. Mit einem weiteren Druck auf „Start“ beginnt die Einheit.

HF- und Geschwindigkeitszonen

Sowohl bei Garmin als auch bei Polar wird die Herzfrequenz in fünf HF-Zonen unterteilt. Das macht Sinn, wenn man speziell nach HF-Zonen trainieren möchte oder einen groben Überblick benötigt, ob man sich mit seinem Training gerade überfordert. Bei Polar gibt es einen sogenannten „HF-ZonePointer“, der in der Trainingsansicht grafisch darstellt, in welcher HF-Zone man sich gerade befindet. Bei Garmin gibt es statt dessen eine Dezimalanzeige. Eine Anzeige, die Farbdarstellungen nutzt, ist bei Garmin zwar vorhanden, aber nur übers komplette Display und damit recht verschwenderisch. Besser wäre es, ein Datenfeld zu haben, welches die Herzfrequenz einfach farbig darstellt und sich mit anderen Daten kombinieren lässt. Diese Lücke schließen ein paar von Anwendern erstellte Datenfelder, die sich über ConnectIQ herunterladen und anpassen lassen, zum Beispiel Colour Heartrate von SeaJay23.

Geschwindigkeitszonen sind ein interessanter Ansatz von Polar, die von der Herzfrequenz bekannten Unterteilungen auch auf die Pace anzuwenden. Hiermit kann man dann z.B. Intervalle einfacher planen, indem man zum Beispiel sagt, man möchte zu Erst in Geschwindigkeitszone 2 laufen und sich dann in HF-Zone 3 ausruhen.

Trainingsansichten

Die Trainingsansichten dürften in beiden Lagern kaum Wünsche offen lassen. Die Datenfelder lassen sich bei Polar flexibel zu Ansichtsseiten zusammenstellen; dabei ist die Anzahl der Felder pro Seite maßgeblich für die Art der Darstellung, die weiter nicht veränderbar ist. Bei Garmin hat man mehr Möglichkeiten zur Gestaltung, beispielsweise lassen sich vier Felder pro Seite sowohl in 2×2 Reihen anordnen, aber auch in drei Reihen (1/2/1 Felder pro Reihe).

Interessant bei Garmin ist, dass sich benutzerdefinierte Datenfelder durch den connectIQ-Appstore nachladen lassen. Anwender mit Programmierkenntnissen können also auch selbst kreativ werden.

GPS-Genauigkeit

Gäbe es diesen Punkt nicht, meine Entscheidung, mich näher mit Garmin zu beschäftigen wäre wohl schon viel früher gefallen. Eigentlich müsste man ja denken, Polar hat seine Wurzeln bei den Herzfrequenzmessern (das erste Herzfrequenz-Messgerät in Form einer Uhr stammte Anfang der 80er von Polar) und Garmin bei den mobilen Navigationslösungen. Also: Polar weiß, wie man Herzfrequenz misst, Garmin weiß, wie man zuverlässig navigiert. Doch weit gefehlt!

Schon seit Jahren freute ich mich darüber, dass meine Aufzeichnungen mit der V800 immer extrem genau waren, selbst im dichtesten Wald oder unter Brücken, während Besitzer von Garmin-Uhren ihre Aufzeichnungen mit Differenzen von mehreren Metern abseits der Strecke produzierten. Auf dem freien Feld ist die Genauigkeit dagegen fast gleich. Über dieses Thema gibt es im Netz sehr viel zu lesen, zum Beispiel den ausführlichen Testbericht über die fēnix 5X von Jonathan Savage unter fellrnr.com. Dieser Bericht trifft größtenteils auch auf die anderen fēnix-5-Modelle sowie auf den Forerunner 935 zu.

Hier einmal ein paar Ausschnitte meiner Läufe zwischen Polar und Garmin auf Strava – entscheidet selbst (ich bin grundsätzlich nur auf Wegen gelaufen; alles abseits der Wege muss also Abweichung sein):

Garmin im Wald:

Garmin im Freifeld:

Polar im Wald:

Polar im Freifeld:

Die einzig logische Schlussfolgerung lautet für mich: Pace und Distanz werde ich in Zukunft nicht mehr über GPS messen, sondern über externe Hilfsmittel wie den Stryd Footpod.

Akkuleistung

Bei einem 15km-Lauf in 1:15 Stunden frisst der Forerunner 935 ungefähr 6% Akku. Generell hielten die ersten beiden Akkuladungen jeweils sechs Tage (am Ende waren immer noch über 20% vorhanden), aber in diesen Tagen wurde der Forerunner auch wirklich beansprucht. Ich habe mich immer wieder durch die Menüs geklickt, Einstellungen vorgenommen, synchronisiert… und außerdem waren Bluetooth und WLAN durchgehend aktiviert. Dazu nach der ersten Ladung noch 9 Trainingseinheiten (Radfahren und Laufen) über insgesamt 4:19 Stunden.

Bei der Polar V800 hatte ich das Gefühl, dass sich die Akkuleistung in den letzten Jahren spürbar verschlechterte. Ohne Aktivität hält der Akku zwar immer noch gefühlt ewig, aber gerade nach Einheiten über 2 Stunden mit anschließender Synchronisation muss die Uhr an’s Ladegerät. Zwei Ladungen pro Woche waren da keine Seltenheit. Was am Rande in dieses Thema gehört: Der Akku der V800 neigt dazu, sich auszudehnen, was dann für unschöne Spaltmaße sorgt. Polar tauscht die Uhr in solchen Fällen zwar anstandslos aus, aber ärgerlich ist es dennoch. Mir ist dies in drei Jahren nun schon zum zweiten Mal passiert.

HF-Gurt ja/nein

Bei vielen V800-Anwender steht der Wunsch nach einer HF-Messung am Handgelenk ganz weit oben. Das geht sogar so weit, dass Polar mit dem OH1 eine per Bluetooth koppelbare Alternative zum Brustgurt herausbrachte. Wer extra deshalb auf den Forerunner 935 umsteigen möchte, den muss ich hiermit enttäuschen. Den Ruhepuls misst der Sensor zwar zuverlässig, aber bei der Messung während einer Trainingseinheit gibt es – gerade in den ersten 8 Minuten – haarsträubende Differenzen:


(gemessen mit dem Brustgurt H7 und der Polar V800)


(die identische Trainingseinheit, gemessen mit dem integrierten Sensor des Garmin Forerunner 935)

Zum Glück lässt sich der Polar-Brustgurt sehr einfach mit dem Forerunner 935 koppeln, womit sich für mich das Problem erledigt hat.

GPX-Track-Navigation

Das „Ablaufen“ eines vorher eingespielten GPX-Tracks ist eines der für mich wichtigsten Features. Besonders in der Marathonvorbereitung plane ich meine 25- bis 35-Kilometer-Einheiten gerne vorher am PC. Bei Polar ist nur das Einladen extern erstellter GPX-Tracks möglich. Für die Erstellung ist gpsies.com sehr gut geeignet.

Bei Garmin lässt sich die Planung einer Route auch innerhalb von Garmin Connect erledigen, jedoch war der Routenplaner bisher so schlecht, dass sich auch hier die externe Lösung angeboten hat. Die GPX-Tracks mussten aber bisher direkt auf den Speicher der Uhr geladen werden. Seit ein paar Wochen gibt es hier jedoch einen deutlich verbesserten Planer, mit dem GPX-Tracks auch einfach importiert werden können. Dies erleichterte mir beim Umstieg das Weiterverwenden meiner bisher erstellten Tracks.

Für die Ablage gibt es bei Garmin Connect einen eigenen Punkt „Strecken“, man muss aber auch noch daran denken, die Strecke an das Gerät zu senden. Bei Polar findet die Ablage parallel zu Intervallen und sonstigen Planungen unter „Favoriten“ statt. Der Vorteil bei Garmin ist, dass sich Strecken und Traningspläne kombinieren lassen, während es bei Polar nur „entweder/oder“ gibt.

Back to Start / Navigation zu POI

Dies ist bei Polar eine eigene Trainingsseite, die einem immer anzeigt, wie weit man sich (Luftlinie) vom Startpunkt weg befindet. Bei Garmin verfügt man grundsätzlich über eine Ansicht des bisher gelaufenen Tracks (Kartenansichten gibt es nur bei der fēnix 5X), so dass man ohne Zusatzfunktionen abschätzen kann, wie weit man sich noch vom Ziel weg befindet. Aber auch an „Back to Start“ haben die Entwickler gedacht. Während man läuft, kann man die Funktion „Zurück zum Start“ auswählen und erhält dann Navigationsinformationen ähnlich wie bei Polar.

https://www8.garmin.com/manuals/webhelp/forerunner935/DE-DE/GUID-CF774818-0C30-4992-962C-DDA9EA00E8C6.html

Bei Garmin kann man zusätzlich auch Punkte einspeichern, zu denen man dann „navigieren“ kann, d.h. es wird im Display die Distanz und die Richtung zum Punkt angezeigt. Das soll auch mit der V800 funktionieren, allerdings habe ich es noch nie ausprobiert.

Race Pace

Die Race Pace ist eine der wenigen Polar-Funktionen, die ich bei Garmin vergeblich suchte. In der Planung stellt man ein, wie viele Kilometer man in welcher Zeit laufen möchte und kann dies dann in seinen Favoriten ablegen oder für einen Tag einplanen. Es ist auch – als eine von wenigen Funktionen überhaupt – möglich, eine Race Pace direkt an der Uhr einzustellen. Nach dem Lauf erhält man eine schöne Auswertung in Polar Flow, wie viel Prozent der Gesamtzeit man vor und wie viel hinter dem geplanten Ziel gelegen hat.

Bei Garmin gibt es den Virtual Partner, der technisch gesehen Ähnliches macht, aber eher halbherzig entwickelt wurde. Im Grunde genommen handelt es sich dabei nur um eine Trainingsseite, die man sich in seine Gesamtansicht hinzufügen kann. Beim Hinzufügen kann die Ziel-Pace eingetragen werden. Es gibt keine Verknüpfung zu einer geplanten Trainingseinheit und man kann die Pace nur umständlich über Menüs auf der Uhr anpassen. Dann gibt es noch den Virtual Racer, mit dem man gegen eine bereits absolvierte Einheit antreten kann. Als Alternative dazu hat Peter Decker ein Datenfeld entwickelt, welches sich nachinstallieren lässt und sicher einen Test wert ist: http://starttorun.info/peters-race-pacer/

Um es nicht allzu kompliziert zu machen, plane ich mein Trainingseinheiten bei Garmin Connect mit Intervalltrainings, die aus einer einzigen Laufeinheit bestehen:

Leider fabriziert diese Ansicht ziemlich nervige Nachrichten und Töne, sobald ich mich auch nur leicht außerhalb der vorgegebenen Pace bewege. Deshalb werde ich mir noch überlegen, ob ich diese Funktion wirklich im Wettkampf nutze.

Intervalle

Die sind in beiden Lagern ähnlich gut gelöst. Bei Polar klickt man sich die Intervalle aus Geschwindigkeits- und HF-Zonen zusammen, was aber ein „Muss“ ist, denn es ist nicht möglich, diese Bereiche frei einzugeben. Für manchen mag das jedoch zu statisch sein. Bei Garmin hat man zumindest bei der Pace größere Flexibilität, da man die Geschwindigkeits-Bereiche bei dem Planen von Intervallen frei definieren kann.

Bei Polar hat man zusätzlich noch die Auswahl, automatisch oder manuell zur nächsten Phase zu springen. Wählt man „Manuell“ aus, ist ein Druck auf die „Lap“-Taste notwendig, um die nächste Phase zu beginnen. Dies macht Sinn, wenn man z.B. erst noch eine Ampel überqueren möchte, bevor man mit der nächsten Sprint-Phase beginnt. Bei Garmin kann man dies mit einem zusätzlichen Abschnitt „Lap-Taste drücken“ nachstellen.

Nach meinem ersten Intervall-Test mit dem FR935 bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass Polar das ordentlicher gelöst hat. Es gibt in der Auswertung bei Garmin keine Unterscheidung zwischen den automatischen Runden und den „Abschnitts-Enden“ der Intervalle. Polar differenziert an dieser Stelle zwischen manuellen Laps, Auto-Laps und Intervall-Abschnitten. Vor dem ersten Intervall (noch in der Aufwärm-Phase) werden bei Garmin auch noch automatische Runden genommen. Ein kleines Chaos, an das man sich erst einmal gewöhnen muss:

Heart Touch

Dies ist eine Polar-V800-Funktion, an die ich mich sehr gewöhnt habe. Das Bewegen der Uhr zum HF-Sensor während einer Trainingseinheit kann eine Aktion auslösen, z.B. das Anzeigen der Uhrzeit. Da der Forerunner 935 keinen HF-Gurt mehr zwingend benötigt und auch Polar langsam zur HF-Messung am Handgelenk übergeht, glaube ich nicht, dass sich diese Funktion noch in weiteren Modellen – egal welchen Herstellers – wiederfinden wird. Von nun an muss ich mich durch die Trainingsseiten drücken, um die Uhrzeit zu erfahren.

LiveTrack / GroupTrack

Mit LiveTrack erhalten vorher ausgewählte soziale Netzwerke und E-Mail-Empfänger einen Link, über den Freunde und Follower die Aktivität am Bildschirm verfolgen können. Die Position auf der Karte wird angezeigt und man sieht Daten wie Geschwindigkeit und absolvierte Kilometer. Mit GroupTrack kann man während der Einheit auf der Karte im Display der Uhr sehen, wo sich die Trainingspartner gerade befinden. Ein spannendes Feature, was besonders im Wettkampf Sinn macht. Leider verwendet es aber niemand aus meinem Lauftreff, so dass ich es bisher nicht ausprobieren konnte. Ein über Bluetooth verbundenes Smartphone muss natürlich mitgeführt werden, um diese Funktionen zu ermöglichen.

Bei Polar gibt es derartige Features nicht.

Unterbrechung und Fortsetzung

Hier gibt es große Unterschiede, an die man sich erst einmal gewöhnen muss: Bei Polar drückt man auf den roten „Start“-Knopf, um eine Runde zu nehmen und pausiert die Einheit mit dem Drücken auf den „Back“-Knopf. Aus der Pause heraus setzt man die Einheit wieder mit dem „Start“-Kopf fort. Bei Garmin drückt man den „Start“-Knopf zum Beenden und auch zum wieder Starten. „Back“ drückt man bei Garmin, um eine Runde zu nehmen. Wenn man vom einen auf den anderen Hersteller wechselt, sind Verwechslungen am Anfang vorprogrammiert.

Ansicht während einer Pause

Die Ansicht während einer Pause ist bei Polar wesentlich detaillierter. Besonders fehlt mir hier – schlicht und einfach – die Anzeige der aktuellen Uhrzeit. Stellt euch mal vor, ihr beginnt eure Einheit zu Hause und lauft zu einem Punkt, wo ihr um 18 Uhr eure Freunde zum Laufen treffen wollt. Mit der V800 habe ich die Einheit pausiert und konnte in der Pausenansicht die Uhrzeit ablesen. Garmin zeigt nur ganz groß die aktuellen Werte (zurückgelegte Kilometer, benötigte Zeit) an und sonst nichts. Ob man die Anzeige anpassen kann, habe ich bisher nicht herausgefunden. Aber es gibt bei Garmin auch eine weitere interessante Funktion, die „später fortsetzen“ heißt. Man kann also eine Einheit erst einmal beenden und kehrt zur normalen Uhr-Ansicht zurück. Mit einem Druck auf die „Start“-Taste kann man sie anschließend wieder fortsetzen. Das passt besser zu meiner beschriebenen Konstellation.

Beenden der Aufzeichnung

Um eine pausierte Einheit zu beenden, drückt man bei der V800 drei Sekunden lang auf die „Back“-Taste. Ein versehentliches Beenden ist somit ausgeschlossen. Bei Garmin muss man sich in einer pausierten Einheit erst durch das Menü klicken, um die Einheit endgültig zu beenden.

Was passiert bei einem Fehler während des Trainings?

Spannende Frage. Bei der V800 ist mir die Uhr zwei mal abgestürzt und die komplette Einheit war verloren. Bei Garmin habe ich noch keine Erfahrungswerte, allerdings haben mir Garmin-User mitgeteilt, dass die Einheit bis zum Zeitpunkt des Problems noch vorhanden war. Allerdings sei ein Fehler während einer Einheit noch nie vorgekommen. Bei den Problemen handelte es sich stets um einen leeren Akku.

nach dem Training / Auswertung

Synchronisierung per BT / WLAN

Mit der V800 gab es nach den Trainingseinheiten stets das gleiche Ritual: Smartphone schnappen, Synchronisation anstoßen (langer Druck auf die „Back“-Taste), warten. Danach öffnet sich – wenn alles gut geht – Strava, wo ich die synchronisierte Einheit (wegen der Datenschutzeinstellungen) manuell freigeben muss. Dann musste ich SyncMyTracks starten, um die Einheit zu Runtastic, Garmin Connect und Endomondo zu synchronisieren.

Hier gibt es mit dem Forerunner 935 einen riesigen Vorteil: Die Synchronisation geht dank WLAN schneller, als meine Laufschuhe auszuziehen – und das völlig automatisch, sobald die Uhr im WLAN ist. Und dank der vielen Anbindungen an andere Dienste werden meine Einheiten sofort zu Strava, Runtastic und Endomondo synchronisiert. Lediglich den Transfer zu Polar Flow löse ich noch über SyncMyTracks.

Running-Index / Indikatoren

Die V800 hat mir nach jedem Lauf einen sogenannten Running Index angezeigt. Das ist eine Zahl, die mir hilft, meine Laufleistung einzuschätzen. Eine genauere Beschreibung, was der Running Index ist, gibt es hier. Bei Polar hält man es also auch an dieser Stelle so, den Benutzer nicht mit zu vielen Zahlen zu verwirren, sondern ein einfaches, prägnantes Indexsystem zu generieren, mit dem man sich auch untereinander vergleichen kann.

Bei Garmin gibt es diesen Index nicht, sondern mehrere Indikatoren für gute oder schlechte Laufleistung. Zum Beispiel die geschätzte VO2max, die nach jedem Lauf ermittelt wird. Oder die Trainingsbelastung, die nach dem Lauf ermittelt, ob ich mich besser länger oder kürzer erholen sollte. Während des Laufens wird mir der Leistungszustand angezeigt, dieser kann sich während der Einheit auch noch verändern.

Analyse des Trainings über App und Webservice

Mit Polar Flow habe ich jetzt in etwa drei Jahre gearbeitet und war sehr zufrieden. Der Webservice wirkt aufgeräumt und die Funktionen, um sein Training zu analysieren, sind vielfältig und aussagekräftig. Sehr gut gefällt mir vor allem, zu sehen, wann ich in welcher HF-Zone gelaufen bin, die Unterteilung in Geschwindigkeitszonen und das Auseinanderhalten von automatischen und manuellen Runden sowie Intervall-Phasen. Von allem kann sich Garmin eine dicke Scheibe abschneiden. Was bei Polar überhaupt nicht gut gemacht ist, ist die Andoid-App. Sie unterstützt längst nicht alle Features des Webservices, so dass ich öfters in die Verlegenheit kam, mich von unterwegs aus auf der Webseite einzuloggen und Konfigurationen zu ändern, z.B. die Traningsseiten auf der V800. Gerade wenn man Änderungen nicht am Gerät vornehmen kann, sollte doch die App alle notwendigen Funktionen mitbringen, um diese Konfigurationen zu erledigen.

Die Trainingsübersicht bei Garmin ist eher zweckmäßig, aber für den Hausgebrauch ausreichend. Dafür ist Garmin bei der Funktionalität der Gesamtwebseite führend. Die Auswertungsfunktionen lassen kaum Wünsche offen.

Sowohl Garmin Connect als auch Polar Flow erlauben es, auch ohne Besitz eines Gerätes, sich zu registrieren und hineinzuschnuppern. Per SyncMyTracks ist es zudem auch möglich, seine bestehenden Einheiten zu diesen Diensten zu übertragen. Ich habe das bei Garmin Connect schon vor einem Jahr so gemacht und konnte so die Analysefunktionen von Garmin Connect kennen lernen, ohne ein Produkt zu besitzen. Den vollen Funktionsumfang kann man natürlich erst nutzen, sobald man ein entsprechendes Gerät sein Eigen nennt.

Analyse der HF-Zonen außerhalb des Gerätes

Was mich vor der Anschaffung des Forerunner 935 verwundert hat, ist, dass es nur an ganz wenigen Stellen eine Info zu geben scheint, wie lange man in welcher HF-Zone unterwegs war/ist. Nach der Einheit kann man das auf der Uhr ablesen und im Webservice gibt es den Punkt „Zeit in Bereichen“. Garmin kann also HF-Bereiche darstellen, macht es nur nicht so konsequent wie Polar, wo man dies direkt im Diagramm sieht – was ich besser finde:

Kalendersynchronisation mit externen Diensten

Beide Hersteller unterstützen die iCal-Synchronisation mit Kalendern von Drittanbietern, z.B. Google Calendar. Da der Garmin-Terminplanung die Uhrzeit fehlt, erhält man hier mit ganztägige Termine, was mir persönlich für die grobe Übersicht ausreicht. Schön bei Polar: Hier können auch Trainingsergebnisse mit den exakten Startzeiten synchronisiert und im Kalender dargestellt werden.

Gewicht

Bei Polar konnte ich bis vor ca. 2 Jahren das Gewicht ganz einfach manuell in die App eintragen, was für mich auch in Ordnung war. Dann brachte Polar eine eigene Waage auf den Markt und (oh, welch Zufall) die Möglichkeit, sein tägliches Gewicht manuell einzugeben, fiel über Nacht weg. Derartige Zwänge sind mir ein Dorn im Auge und da die Polar-Waage nichts anderes kann, außer Gewicht zu wiegen, sah ich mich nach Alternativen um. Diese hieß für mich: Withings WS-50. Die konnte zwar auch nicht ihr Gewicht mit Polar Flow synchronisieren, aber das Withings-eigene Portal war auch okay, um seinen Gewichtsverlauf im Blick zu behalten.

Nachdem ich von Polar zu Garmin gewechselt war, nahm ich das Thema „Gewichtssynchronisation“ noch mal in Angriff und siehe da – es funktioniert! Withings kann sich mit MyFitnessPal verbinden, Garmin ebenfalls – und das Gewicht wird auch übertragen. Traumhaft!

Datentransfer

Polar supportet ausschließlich Verbindungen zu Facebook, Strava, TrainingPeaks, MyFitnessPal und Nike+. Die Verbindungen zu Garmin kann ich nicht alle auflisten, aber es funktioniert definitiv mit Endomondo, Runtastic, Strava und MyFitnessPal. Somit kann ich viel mehr „von Haus aus“ synchronisieren und bin nur noch für eine einzige Verbindung auf SyncMyTracks angewiesen: Die Verbindung zwischen Garmin und Polar. Eher friert die Hölle zu, als dass sich die beiden Anbieter automatisch untereinander synchronisieren.

Produktpflege

Updates

Da der FR935 noch relativ neu ist, ist es nicht verwunderlich, dass Updates in schöner Regelmäßigkeit erscheinen. Zusätzlich hat man bei Garmin Zugriff auf Beta-Versionen – ob man diese nutzt, muss man selbst entscheiden. Bei der V800 ist das letzte Update vom Juni 2017 (Stand November 2017: fünf Monate her). Seit diesem Update gibt es Probleme in der Aufzeichnung von Schlafdaten, die bis zur Veröffentlichung dieses Beitrags nicht behoben wurden. Außerdem existiert immer noch ein nicht gefixter Bug beim Starten von Trainingseinheiten, die in der Vergangenheit liegen.

Näheres zu den letzten Updates findet man hier. Die Änderungen der jeweiligen Updates sind bei beiden Herstellern ausreichend gut dokumentiert.
Polar V800: https://support.polar.com/en/updates?product=V800
Garmin FR935: http://www8.garmin.com/support/download_details.jsp?id=11495

Support

Den oben geschilderten Bug habe ich natürlich auch an Polar gemeldet und keine wirklich zufriedenstellende Antwort erhalten. Am Ende sollte ich meine V800 einsenden, was ich aber nicht machen konnte, da ich mich mitten in der Vorbereitung auf den Berlin-Marathon befand. Trotzdem muss ich sagen, dass der Polar-Support Spitzenklasse ist. Wegen des sich ausdehnenden Akkus wurde meine erste V800 dort innerhalb von zwei Wochen kostenlos getauscht, was außerhalb der Garantiezeit nicht selbstverständlich ist. Die Kommunikation mit dem Polar-Support ist stets freundlich und unbürokratisch.

Mit dem Garmin-Support hatte ich bisher noch keine Berührungspunkte, jedoch existiert hier ein gutes Forum, welches nach dem Motto „User helfen Usern“ agiert: https://forum.garmin.de Jedoch dauert die Registrierung und auch das Schreiben von Beiträgen recht lange, da die Beiträge wohl immer erst von Moderatoren freigegeben werden müssen.

Schnellen Rat bekommt man aber auch – auf beiden Seiten – in den Facebook-Fan-Gruppen:
Garmin Forerunner 935
(Deutsch) Garmin Fenix 3/5: Run4IQcommunity
Garmin 935 Selbsthilfegruppe
German Polar V800 Fans
Polar V800 + M400 – Rund um die Uhren
Polar V800, M400 & Co.
Fans of Polar V800

Fazit

Ich hoffe, mit diesem Review manchen „Leidensgenossen“ geholfen und die Produkte möglichst neutral gegenübergestellt zu haben. Ich bin nicht Pro oder Contra einer bestimmten Marke unterwegs und jeder Läufer muss für sich selbst entscheiden, mit welchen Werkzeugen er seine besten Ergebnisse erzielen kann. Schreibt mir gerne, wenn ihr Fragen habt oder es weitere Punkte gibt, die euch interessieren. Ich freue mich über euer Feedback!

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2 Antworten auf „Neuanschaffung: Vergleich zwischen Polar V800 und Garmin Forerunner 935 / fēnix 5“

  1. Sehr gute Zusammenfassung. Danke für die Arbeit. Nutze auch die V800 und spekuliere immer wieder mit Garmin. Da ich jetzt aber auch noch eine AppleWatch bekomme, die mich dann im Altag begleitet, bleibe ich als Triathlet bei Polar und hoffe auf einen Release im nächsten Jahr 😉

  2. Gewichtsdaten lassen sich ja ganz einfach am V800 direkt eintragen (Eingaben/Benutzereingaben/Gewicht) und synchronisieren natürlich dann automatisch mit dem Flow. Mein Gewicht wandert dann noch über MyFitnessPal zu Samsung Health.

    Ansonsten Toller Vergleich – Ich warte weiterhin auf den Nachfolger der V800 und glaube fest daran dass auch dieser dann HeartTouch haben wird.

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