Am vergangenen Wochenende nahm ich bereits zum sechsten Mal am Venloop in den Niederlanden teil.

Der Venloop ist für mich ein echter Dauerbrenner. Nur beim Altstadtlauf in Kempen und beim Brückenlauf in Düsseldorf war ich bisher noch häufiger dabei. Den Grund dafür muss man eigentlich niemandem mehr erklären: „Venloop“ bedeutet „Spaß“, auf und neben der Strecke. Gleichzeitig trifft man unglaublich viele andere bekannte Läufer aus der Region und es ist, nach einem langen Winter, der große „Startschuss“ in die Wettkampfsaison 2018 – auch wenn ich bereits zwei Läufe hinter mir habe.

Die Vorbereitung

Meine Vorbereitung absolvierte ich gewohnt mit Intervallen über 800 bis 1600 Meter. Neu war, dass ich sie nicht auf der Straße, sondern auf der 400m-Bahn im Rahmen der Aktion „Laufen mit Licht“ des ASV Süchteln gelaufen bin. Dazu kamen lange, intensive Dauerläufe über 14, 16 und 18 Kilometer – möglichst nahe der geplanten Wettkampf-Pace. Während meiner Vorbereitung kam ich mit Mike von den Hügel-Helden ins Gespräch und nachdem klar wurde, dass wir eine ähnliche Zielsetzung (sub 1:25) haben, beschlossen wir, den Venloop zusammen anzugehen. In Süchteln auf der Bahn und bei einem gemeinsamen Training im Schneegestöber über 16 Kilometer lernten wir uns und unseren Laufstil besser kennen.

Vor dem Lauf

In den letzten Jahren war es nicht besonders schön, mit dem Auto nach Venlo zu kommen. Die beiden Parkplätze (Kasernengelände und VVV-Stadion) boten ihre ganz eigenen Überraschungen: 2015 und 2016 war der Bustransfer zwischen Kaserne und Veranstaltung eine Katastrophe (der Busfahrer kannte den Weg zum Gelände nicht, zurück kam es teilweise zu sehr langen Wartezeiten), weshalb wir 2017 am Stadion parkten. Dort waren aber die Parkplätze selbst das Problem. Also wollten wir es in diesem Jahr komplett anders lösen und mit dem Zug anreisen. Da Svenja und ich über ein Ticket2000 verfügen, waren wir kostenneutral und umweltfreundlich unterwegs. Dass es im Zug eng werden könnte, konnten wir uns denken, da sehr viele Läufer vom Niederrhein und aus dem Ruhrgebiet über diese Zugverbindung anreisen würden. Auf der Hinfahrt reichte es immerhin für Stehplätze, was aber aufgrund der Fahrtzeit von 20 Minuten absolut okay war. Pünktlich und entspannt erreichten wir Venlo, erkundeten das Veranstaltungsgelände und sahen uns den Zieleinlauf des 10.000m-Laufes an. Die Startnummer ließ ich mir wie jedes Jahr vorher per Post zukommen, so dass die Zeit da war, den ein oder anderen Läufer zu begrüßen, wie meinen Arbeitskollegen Boris, der mit seiner Frau und weiteren Läufern der Depotrunners Bracht angereist war.

Um 13 Uhr trafen wir uns dann mit den drei Hügel-Helden Mike, Christian und Thomas sowie deren Gefolgschaft, die ich auch teilweise schon vom gemeinsamen Lauf rund um den Braunkohletagebau Garzweiler kannte. Letzte Strategien und Details mit Mike wurden besprochen, wobei wir uns immer noch nicht darauf einigen konnten, wer heute eigentlich wen zieht. Wichtig war uns aber beiden, dass wir uns nicht an ein langsameres Tempo anpassen müssen, wenn es für den jeweils anderen zu hart werden sollte. Von den Ambitionen her waren wir auf der Halbmarathon-Distanz ungefähr gleichauf (wobei Mike bereits die wesentlich bessere Zeit auf 10.000m läuft und ich ihm auch noch Einiges mehr zutraue). Nach dem obligatorischen Toilettengang wollten Mike und ich keine Zeit mehr verlieren und fanden uns im vorderen Startblock wieder, wo wir noch ein paar gemeinsame Runden um den Kreisverkehr drehten, bevor die „Läuferdichte“ im Block immer höher wurde und wir uns lieber eine gute Startposition suchten.

Der Lauf

Nach dem Startschuss ließen wir den ersten Kilometer recht zügig angehen, weshalb ich schon bald ein wenig auf die imaginäre Bremse drückte, um uns bei unserer planmäßigen Pace von 3:59min/km einzusortieren. Das klappte dann auch recht gut. Das Wetter war durchgehend sonnig, weshalb ich es nicht bereute, meine Sonnenbrille zu tragen. Die 12 Grad fühlten sich deutlich wärmer an und ich freute mich auf die erste Getränkestation nach fünf Kilometern. Dort angekommen bemerkte ich, dass mich mein Stryd Footpod heute viel langsamer machte, als ich eigentlich war, denn nach der 5-Kilometer-Marke waren erst 19:41 Minuten auf meiner Uhr – und wir damit deutlich zu schnell. Noch konnte ich das Tempo aber locker mitgehen und für Mike schien es erst Recht kein Problem zu sein. Auch die nächsten Kilometer liefen gut. Vorbei an gewohnt eskalierenden Niederländern, die die ganze Strecke über fantastische Stimmung verbreiteten, rollten wir der 10-Kilometer-Marke entgegen, die mit 39:21min eine neue persönliche Bestzeit für mich bedeutet hätte, wäre der Wettkampf hier schon vorüber gewesen.

Ich signalisierte Mike, dass wir sehr gut in der Zeit liegen und vielleicht etwas Tempo rausnehmen sollten, da gleich der schwierigere Teil der Strecke beginnen würde. Vor dem „Fietspad“ und der anschließenden Autobahnbrücke habe ich jedes Jahr größten Respekt. Wenn man zu viele Läufer vor sich hat, wird es hier schwer, sein eigenes Tempo durchzuziehen. Und die deutlich sichtbare Steigung der anschließenden Brücke tut auch mental ihr Übriges. In diesem Jahr gab es aber ein ganz anderes Problem: meine Kraftreserven waren am Ende. Im Nachhinein völlig klar, denn das Tempo war etwas zu hoch und die Sonne einfach ungewohnt für diese Jahreszeit, hatten wir eine Woche zuvor doch noch im Schnee trainiert. An dieser Stelle ließ ich Mike ziehen, wohlwissend, dass er keine Probleme haben würde, das Tempo bis zum Ende durchzuziehen. Ich kämpfte weiter um eine gute Pace. Da ich meiner Uhr wegen der mittlerweile doch recht großen Differenz zu den offiziellen Kilometermarken nicht mehr traute, glich ich die Zeit im Kopf einfach jeden Kilometer mit einer 4:00er-Pace ab. Während es bei Kilometer 15 noch gerade so passte, musste ich schon einen Kilometer später einsehen, dass es heute schwer werden wird, mein Ziel zu erreichen. Ich gab alles, was in erster Linie bedeutete, darauf zu achten, nicht noch langsamer zu werden. Kilometer 17 war der Langsamste mit einer durchschnittlichen Pace von nur 4:28min/km. Danach konnte ich mich noch einmal aufraffen, aber da war schon klar, dass es heute nichts werden würde. Ich bog in die City ein, wo ich – wie jeder Läufer – von hunderten Menschen begeistert empfangen wurde. Der Zieleinlauf beim Venloop ist wirklich immer etwas ganz Besonderes. Das gibt es nirgendwo sonst. Und so konnte ich ein wenig den Moment genießen, bevor mich die harte Realität in Form der Zielzeit von 1:26:05h wieder einholte und ich sichtlich erschöpft meine Medaille in Empfang nehmen konnte.

Anschließend brauchte ich ein wenig Zeit, zu realisieren, dass ich damit immerhin noch meine persönliche Strecken-Bestzeit gelaufen bin. Mike, den ich wenig später wieder traf, hatte einen besseren Tag erwischt. Er kam mit 1:24:56h genau planmäßig ins Ziel. Wir waren uns einig, dass es eine sehr gute Idee war, zusammen zu laufen und wollen das baldmöglichst wiederholen.

Am Ende gab es für Svenja und mich noch die obligatorischen holländischen Fritten, bevor wir uns mit dem Zug auf den Heimweg machen wollten. Doch auch hier lief nicht alles planmäßig: wegen eines liegen gebliebenen Güterzuges auf der eingleisigen Strecke zwischen Kaldenkirchen und Viersen mussten wir uns noch eine Viertelstunde gedulden, bis die Fahrt endlich los ging. Der Zug selbst stand bereits seit über einer Stunde im Bahnhof und mit ihm natürlich auch die wartenden Passagiere wie Marc Höttemann. Froh darüber, gerade noch im Zug stehen zu können, waren wir am frühen Abend wieder in unserer Heimat angekommen.

Webseite des Veranstalters:
https://www.venloop.nl

Mein Ergebnis:
Hier


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