Nach drei Jahren in Berlin wollte ich mal wieder die Marathon-Luft in einer anderen deutschen Großstadt schnuppern und in Hamburg teilnehmen.

Bereits am Freitag reisten wir daher in die Hansestadt, wohl überlegt, weil wir Städtetrip und Marathon miteinander verbinden wollten. Svenja suchte unsere Unterkunft aus: die „Superbude“ war eine Mischung aus Hotel und Hostel und lag zehn Gehminuten vom Messegelände entfernt in St. Pauli – also für beide Vorhaben ideal. Direkt nach der Ankunft inspizierten wir das angrenzende Schanzenviertel und holten auf dem Messegelände meine Startunterlagen ab. Anschließend ging es noch ins Vapiano, um ein paar Kohlenhydrate aufzunehmen. Durch meine Saltindiät war ich zwar kulinarisch etwas eingeschränkt, aber Vapiano geht immer! Am nächsten Tag bekamen wir Besuch von meinem Neffen Sebastian und seiner Freundin Sophie, die nur eine halbe Bahnstunde entfernt in Lüneburg wohnen. Zu viert erkundeten wir den alten Elbtunnel und ließen es uns bei einem Kaltgetränk an den Landungsbrücken gut gehen. Der Wettkampftag rückte nun immer näher und da ich bereits um 7 Uhr am Frühstückstisch sitzen wollte, waren wir rechtzeitig im Bett.

Die Vorbereitung

Im Vergleich zu den letzten Jahren war meine Vorbereitungsphase etwas länger als sonst. Ich hatte aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, wo ich immer mit Optimalbedingungen kalkulierte und mich krankheits- und formbedingte Ausfälle zu sehr in zeitliche Bedrängnis brachten. Um mich auf das erhöhte Trainingspensum vorzubereiten, habe ich im Januar erstmals an jedem Tag eine kurze Laufeinheit absolviert, so dass schon im ersten Monat des Jahres 300 Kilometer auf der „Uhr“ standen. Im Februar wurde dann die Anzahl der Einheiten reduziert und die Distanz pro Einheit langsam auf maximal 30 bis 35 Kilometer gesteigert. Darunter waren abwechslungsreiche Strecken, zum Beispiel umrundete ich mit den Hügel-Helden den Braunkohletagebau „Garzweiler“ und lief zwei mal nach Neuss, um Freunde bzw. Verwandte meiner Freundin zu besuchen. Kurioserweise war die Trainingsbelastung dieses Mal wohl so gut gewählt, dass ich keine Ausfälle zu beklagen hatte. Auch von den Grippewellen wurde ich komplett verschont. So konnte ich optimal vorbereitet an den Start gehen.

Vor dem Lauf

Am Sonntag Morgen klingelte um 6:30 Uhr der Wecker. Der Wetterbericht kündigte Sonne und mindestens 18 Grad an. Ich zog mir die am Vorabend bereitgelegte Kleidung an und ging gemeinsam mit Svenja in den Frühstücksraum der „Superbude“, wo sich zu meiner Verwunderung doch schon einige andere Marathonläufer befanden. Ein Brötchen und eine belgische Waffel, dazu viel Wasser, mehr konnte und wollte ich jetzt nicht mehr frühstücken. Ich wollte möglichst schnell zum Wettkampfgelände. Das wäre auch zu Fuß möglich gewesen, aber da ich ja heute noch weit genug laufen würde, gönnte ich mir, die drei Haltestellen mit dem Bus zu fahren. Ich verabschiedete mich von Svenja, die sich gleich mit meinem Vater traf, der heute ebenfalls aus Lüneburg anreisen würde. Die Beiden wollten mit der Bahn zu verschiedenen Punkten der Strecke fahren und mich anfeuern.

Am Messegelände angekommen, war ich zunächst etwas verwirrt, wo man denn den Kleiderbeutel abgibt. Hier war eine Beschilderung nur spärlich vorhanden und Orientierungspunkte, mit denen man die ausgehängten Lagepläne deuten konnte, fehlten leider auch. Aber es gibt ja andere Teilnehmer, die die Prozedur schon kannten, und denen folgt man dann einfach. Währenddessen erwachte der Marathon-Startbereich so langsam zum Leben. Offenbar zum Soundcheck wurde mit voller Lautstärke „Bonbon aus Wurst“ von Helge Schneider gespielt – ausgerechnet eines meiner Lieblingslieder von einem meiner Lieblingskünstler! Das trieb mir ein Lächeln ins Gesicht und einen Wurm ins Ohr, der mich an diesem Tag noch lange begleiten sollte.

Ich war nun umgezogen, der Abgabepunkt für die Kleiderbeutel war auch gefunden. Ich ging zurück zum Startbereich, wo ich erst einmal feststellte, wie klein und weit vorne mein Startbereich C doch ist. Zu klein, um sich warm zu laufen und schattig war es dort auch noch. Also ging ich erst einmal in eine nahegelegene Seitenstraße, in der sich die Sonnenstrahlen ungehindert ausbreiteten, und drehte ein paar lockere Runden. Parallel konnte ich dort das muntere Treiben der Mitarbeiter vom NDR beobachten, die ihr Moderationspodest direkt an meinem Startblock aufgebaut hatten und sich nun fertig machten, um auf Sendung zu gehen. Ich hatte in den letzten Tagen überall herum erzählt, dass der Marathon im NDR live übertragen wird, also wollte ich die Gelegenheit nutzen, einen stillen Gruß in die Heimat zu senden. Ich ging in den Startblock und postierte mich direkt hinter das Podest, was ich gleichzeitig auch für eine ganz gute Startposition hielt. Und um Punkt 9:15 Uhr gingen dann die Bilder um die Welt oder zumindest an den Niederrhein:

Der Lauf

Mit zwei Minuten Verspätung wurde der Lauf gestartet – aber nicht durch einen Schuss, weil Schusswaffen auf dem Kiez verboten sind, wie ich später im NDR lernte. Es wurde „angeglast“, also eine Glocke geläutet. Unter dem Start-/Zielbogen startete ich meine Uhr und war direkt irritiert, weil sich die Induktionsschleife zum Registrieren meines Transponders ein deutliches Stück dahinter befand. Nach einer sehr engen Startpassage mit ungewohnt vielen langsameren Läufern vor mir war der erste Kilometer auch schon rum und ich konnte mich beruhigen, denn meine Uhr zeigte genau an der richtigen Stelle den absolvierten Kilometer an. Es folgte der Abschnitt über die Reeperbahn, weiter ging es Richtung Altona. Für mich war es notwendig, hier einige langsamere Läufer zu überholen. Das Feld war noch ziemlich dicht beisammen, was mir dies spürbar erschwerte. Außerdem knallte schon jetzt die Sonne vom Himmel und erwärmte die Luft deutlich. Waren das die ersten Vorboten, dass es heute keine Bestzeit geben wird? Ich war gespannt auf die Zeit nach fünf Kilometern, denn in 5er-Schritten hatte ich mir meine Durchlaufzeiten auf ein Band geschrieben; einmal für mein Minimalziel (persönliche Bestzeit in unter 3:09h) und einmal für das Optimalziel (unter 3:00h). Hier lag ich ungefähr eine Minute über der anvisierten Optimalzeit, was bedeutete: Gas geben, dann geht heute was!

Meine erste Begegnung mit Svenja und meinem Vater hatte ich an den Landungsbrücken. Wir hatten vorab nicht darüber gesprochen, wo die Beiden sich hinstellen, also suchte ich links und rechts von mir die Zuschauer nach bekannten Gesichtern ab und fand die Beiden tatsächlich im Getümmel. Jetzt ging es mir deutlich besser, denn am ersten verabredeten Punkt auf der Reeperbahn konnte ich noch niemanden entdecken, was aber auch daran lag, dass das Feld an dieser Stelle sehr dicht beisammen war und ich mich auf meine Vorder- und Hinterleute konzentrieren musste.

Weiter ging es Richtung Speicherstadt und von dort aus zum Hauptbahnhof. Hier überraschte mich, dass der Marathon durch einen Tunnel führte, was bei vielen GPS-Uhren sicherlich zu Fehlmessungen führte. Gut, dass ich meinen Stryd Footpod hatte, der übrigens auf der kompletten Marathondistanz eine Abweichung von lediglich 300 Metern aufwies.

Anschließend ging es einmal rund um die Binnenalster, wo ich meinen Vater und Svenja im letzten Moment entdeckte. Nun führte die Strecke aus der Stadt heraus und es wurde deutlich ruhiger. Meine Durchlaufzeiten wurden besser und besser. Die HM-Zeit, auf die ich gespannt wartete, stimmte mich erstmals optimistisch, dass es heute in unter 3 Stunden enden könnte. Aber, wie sagt man so schön, der Marathon fängt bei Kilometer 35 erst an. Noch blieben viele, viele Kilometer vor mir. Es ging am Hamburger Stadtpark vorbei, durch Barmbek-Nord Richtung Ohlsdorf, wo ich Svenja und meinen Vater ein letztes Mal erblickte. Dann stand endlich Kilometer 35 an. Ich klatschte eine Reihe von Kindern ab und genoss ein letztes Mal die mir zujubelnde Menge. Nun war Konzentration angesagt. Kilometer 35 war dann auch gleichzeitig man langsamster. Ich nahm am Verpflegungsstand jetzt ein Energie-Gel mit, an dem ich mich beinahe verschluckte, und spülte ordentlich Wasser hinterher. Die nächsten Kilometer wurden wieder schneller. Ich begann erste Rechnungen, was passieren würde, wenn ich die letzten Kilometer mit 5:00er-Pace abwickeln würde und was ich noch drauflegen muss, damit es ein sub-3-Marathon wird. Meine Geschwindigkeit konnte ich beinahe konstant halten, was aufgrund der steigenden Temperaturen fast schon an ein Wunder grenzte. Nachdem Kilometer 40 absolviert war, wusste ich, dass es sehr knapp werden wird. Ich warf nun noch einmal alles rein, lief größere Schritte und trieb damit meinen Puls in die Höhe. Kilometer 41 und 42 wurden mit die Schnellsten dieses Wettkampfes. Und dann kamen die letzten 195 Meter, die ich sprintete. Meine Uhr hatte inzwischen die 2:59 Stunden erreicht. Ich lief wie ein Irrer – wobei die 3:45min/km-Pace unter anderen Voraussetzungen ganz locker machbar gewesen wäre, aber mit den bereits absolvierten Kilometern in den Beinen kam es mir vor, als sei ich mit Düsenantrieb unterwegs. Ich lief ins Ziel und stoppte meine Uhr. Und ich wusste sofort: Es hat nicht ganz gereicht. Natürlich war es eine Bestzeit, und was für eine! Neun Minuten schneller als vor einem halben Jahr in Berlin! Aber eben ganz knapp über drei Stunden: 3:00:02h. Auch solche blöden Zeiten muss ja irgendjemand laufen… Mit dieser mehr als komischen Bestzeit werde ich mich die nächsten Monate arrangieren. Es gibt weiß Gott Schlimmeres.

Aber erst mal in die Verpflegungsmeile, die ähnlich gut aufgebaut war wie in Köln, und ab auf einen Liegestuhl, wo ich mir mein alkoholfreies Pils schmecken ließ. Passend dazu lief „Bills“ von Lunchmoney Lewis, was ich entsprechend umdichtete:

I got Pils! @haspamarathonhamburg #marathon #Hamburg #rewe #haspamarathon

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Zum krönenden Abschluss des Tages verbrachte ich den sonnigen Tag in Hamburg mit meinem Vater und Svenja. Wir besuchten den Schellfischposten, aßen ein sehr gutes Steak auf der Reeperbahn und hatten eine gute Zeit.

Webseite des Veranstalters:
http://www.haspa-marathon-hamburg.de/

Mein Ergebnis:
Hier


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