Die Sommerpause ist vorbei – der letzte Lauf der NEW-Laufserie stand an!

Die Vorbereitung

Seit Juni dreht sich bei mir alles nur noch um den Dreiländer-Marathon am Bodensee, was sich bei meinen Trainingsläufen in mehrheitlich langen, intensiven Einheiten wiederspiegelte. Zwischendurch blieb aber auch noch Zeit für den einen oder anderen kürzeren, schnellen Lauf (ich nenne es „8.000 unter 32“) oder für ein Intervalltraining 12x400m oder 10x800m in geplanter Wettkampf-Pace. Da ich unbedingt die 39 Minuten knacken wollte, die ich beim GdB-Altstadtlauf in Kempen auf die Sekunde genau erreicht habe, benötigte ich eine Pace von mindestens 3:54min/km, was mir unter Idealbedingungen möglich erschien.

Denn in diesem Jahr war auf der 10.000m-Distanz bisher der Wurm drin: Falsch abgebogen in Selfkant, Heuschnupfen beim Rahser-Run in Viersen, zu warm und zu viele Kurven in Kempen, viel Steigung in Düsseldorf – es gab bei jedem Lauf einen „Haken“, der verhinderte, mein Potenzial voll auszuschöpfen. Wahnsinn, dass es trotzdem gleich zwei mal klappte, eine neue persönliche Bestzeit zu aufzustellen.

Vor dem Lauf

Am Wettkampftag machte ich mich alleine auf die kurze Reise nach Mönchengladbach-Lürrip, wo ich den Informationen auf der Webseite zufolge am S-Bahnhof oder an einem alten Sportplatz parken konnte. Da ich den Sportplatz nirgendwo auf Google Maps finden konnte, hielt ich mich an den Parkplatz vom S-Bahnhof, der aber eine Stunde vor Startschuss (ja, ich war echt spät dran) bereits komplett voll war. Zwei Seitenstraßen weiter weg hatte ich jedoch Glück und fand einen freien Parkplatz in einem Wohngebiet. Der Weg zum Veranstaltungsort war für mich unbekannt und auch nicht ausgeschildert, aber ich konnte mich durchfragen und erreichte das Zelt, an dem die Startunterlagen ausgegeben wurden. Da Start und Ziel der Veranstaltung in einem Freibad – dem namensgebenden Volksbad – beheimatet waren, konnte man auf dessen Einrichtungen zurückgreifen. Luxus-Bedingungen! Ein bisschen Privatsphäre vor dem Lauf in Form von Einzelkabinen finde ich super, so kann man sich in aller Ruhe umziehen. Anschließend konnten die Spinde genutzt werden, um Kleidung und Wertsachen sicher zu verstauen (und das alles für nur 9,50 Euro Startgebühr, sei an dieser Stelle einmal lobend angemerkt!).

Nun war ich fertig zum Start, aber wo musste ich hin? Innerhalb des Bades war er nicht, also schnell auf die ausgehängten Karten geguckt – auch die machten mich nicht viel schlauer. Es waren auch keine Menschenmassen in Bewegung, anhand denen ich eine Richtung erkennen konnte. Also ging ich erst einmal aus dem Freibad hinaus, schaute mir die Straße davor an und entdeckte den Banner, auf dem „Start“ stand. Der 5.000m-Lauf war noch im vollen Gange, es wurde allerdings bereits durchgesagt, dass die Teilnehmer des 10.000m-Laufes sich so langsam zum Start begeben sollten. Wo der war, wusste ich ja nun – aber in welche Richtung wurde gestartet? Ich lief mich neben der Strecke ein wenig warm und wartete darauf, dass der letzte 5k-Teilnehmer mich passierte. Kurz danach wurde umgebaut; nun konnte man erkennen, dass es entgegen der eigentlichen Strecken-Laufrichtung ging. Ich stellte mich kurz hinter die Startlinie, wo ich später Sebastian, Claudia und Rüdiger traf. Am Streckenrand begrüßten Ralf und seine Tochter mich; die Beiden waren kurz zuvor beim 5.000m-Lauf erfolgreich. Links von mir stellten sich vier Damen auf, die so wirkten, als seien sie zum ersten Mal bei solch einer Veranstaltung dabei. Sie freuten sich, ganz vorne mitzulaufen. Ich wollte ihnen den Spaß nicht verderben, also hielt ich jetzt keinen Vortrag, wo man sich einordnen sollte, damit niemand über den Haufen gelaufen wird, sondern blieb rechts von ihnen und somit in der Innenseite der ersten Kurve, damit niemandem etwas passieren konnte.

Der Lauf

Mangels Pistole (oder weil es ein Alleinstellungsmerkmal sein sollte) wurde nicht geschossen, sondern zum Start „getrötet“. Ich kam gut weg und ordnete mich nach ein paar hundert Metern in der gewünschten Pace von 3:54min/km ein. Auf den ersten Waldwegen störten ein paar Pfützen, aber nichts dramatisches, und ich konnte trotz dunkler Sonnenbrille einwandfrei sehen. Meine leichten Wettkampfschuhe hatten mit dem Untergrund keinerlei Probleme. Auch nach drei Kilometern lief alles wie am Schnürchen. Überholvorgänge hielten sich stark in Grenzen, wenn, dann war ich es, der an jemandem vorbei ziehen musste, weil der Vordermann zu langsam unterwegs war. Doch plötzlich merkte ich weiße Flecken im Sichtfeld – kündigte sich etwa eine Augenmigräne an?

Ich hatte das bisher erst einmal beim Wettkampf. Auch im Alltag halten sich die Anfälle – seit ich laufe – in Grenzen; früher waren meine Probleme mit Augenmigräne viel intensiver. Ich kann dann im Nahfeld so gut wie nichts mehr sehen und habe große Mühe, Texte abzulesen und zusammenzusetzen. Früher war dann Bettruhe angesagt, 12-14 Stunden durchschlafen bis zum nächsten Tag. Und heute? 2-3 mehrheitlich leichte Anfälle pro Jahr, nicht der Rede wert. Nur doof, dass gerade heute wieder so ein Tag war. Und schon wieder schien mein Plan vom perfekten 10.000m-Rennen durchkreuzt.

Mein Sichtfeld wurde zunehmends von der Migräne-Aura gefüllt. Pulsuhr ablesen war nur noch unter größter Mühe möglich, während der Blick auf die Strecke aber möglich war. Ich versuchte, mich aufs Wesentliche zu konzentrieren und absolvierte Kilometer um Kilometer. Das Wasser bei Kilometer 5 tat mir gut, und nun nahm ich auch die Migräne nicht mehr so intensiv wahr. Die Runde durchs Volksbad dafür aber umso mehr. Die Stimmung war toll. Auf den nächsten Kilometern folgten die ersten Überrundungen, teilweise mit anfeuernden Rufen der überrundeten Läufer. Klasse! Ein Radfahrer – offenbar vom Orga-Team – kam mir entgegen und feuerte die Läufer an, man sei auf jeden Fall unter den ersten 20, ganz stark! Danach kam mir eine weibliche Teilnehmerin mit Fahrradbegleitung immer näher und als ich auch sie überholt hatte, konnte man schon den Moderator aus dem Volksbad hören. Ich erhöhte nun mein Tempo bis zum Anschlag. Da sich mittlerweile immer mehr Menschen vor mir befanden, die ich überrunden musste und die letzten Kurven ins Volksbad hinein äußerst eng und unübersichtlich waren, war ich angespannt. Kurz vorm Ziel musste ich mehrere überrundete Läufer zur Vorsicht ermahnen, die nebeneinander auf der ganzen Strecke liefen. Aber am Ende war alles gut. Es wurde, anders als vorher erwartet, kein Kampf um Sekunden, sondern eine ganz deutliche neue Bestzeit mit 38:17 Minuten.

Zufrieden gönnte ich mir ein Glas Wasser, während ich mich mit Sebastian, der schon anderthalb Minuten vor mir im Ziel war, und Rüdiger, der kurz nach mir ins Ziel kam, unterhalten konnte. Von meiner Migräne merkte ich zu dieser Zeit bereits nichts mehr, sie war wie „weggelaufen“. Am Ende konnte man dann doch noch von einem gelungenen, wenn auch nicht komplett perfekten 10.000m-Lauf sprechen.

Webseite des Veranstalters:
http://www.newlauf.de

Mein Ergebnis:
hier


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